Große Liebe, gute Musik

Eleonore Büning blickt auf das Opernfestival in Manaus.

Opernwelt - Logo

Das Klima macht krank, die Kriminalitätsrate ist hoch, drinnen duftet es diskret nach Schimmel, draußen fällt tropenschnell wie ein nasses Tuch die Dunkelheit, Riesenfledermäuse fliegen ums Haus. Und wenn Wolfgang Ebert, erster Solohornist der Amazonas Filarmônica, am Sonntag seine Freundin mit Familie ausführen will, ist der attraktivste Ort, den er sich in der Zweimillionenstadt Manaus dafür denken kann, das neue «Millenium»-Einkaufszentrum, weil dort immerhin die Kinder unbeaufsichtigt herumlaufen dürfen.
Ebert kommt aus Plauen.

Er studierte in Leipzig, wurde vor drei Jahren ein­geladen, beim Amazonas Opera Festival mitzuspielen – und blieb. Er ist glücklich geworden in Manaus und nennt dafür zwei Gründe, die denkbar besten: große Liebe, gute Musik. Hier im Orchester spielt er in erster Soloposition, auf Vergleichbares hätte er in Deutschland lange warten müssen. Kürzlich ist der junge Mann sogar zum Professor avanciert, er unterrichtet jetzt am neuen «Liceu de Artes e Ofícios Claudio Santoro», leitet eines der vier Jugendorchester dort, die nach venezolanischem Vorbild die Kinder von der Straße holen. Eine musikalische Entwicklungshilfe, die sich der Pionierarbeit des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Eleonore Büning

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schuld und Sühne

Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plas­tik­bahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist...

Scheidung in hohen Tönen

In der Regel singt der Mensch, um einen außerordent­lichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...

Menschliches Maß

Dieser Gott ist ein gewiefter Politiker. «Schon erfleht die schmachtende Erde mit tausend und abertausend Mündern fiebernd Hilfe von oben. (…) Verwelkt und entlaubt leben kaum noch die Wälder. / Nun ist es an uns, denen Schutz und Schirm der Welt obliegen, den Schaden gutzumachen und die Natur zu entschädigen», spricht Jupiter, sobald er den glühend heißen Erdboden...