Globalisierte Langeweile
Seit Götz Friedrichs Tod im Jahr 2000 ist dies die erste Wagner-Inszenierung an der Deutschen Oper – und doch nur ein zarter Vorbote der Rückkehr zur Wagner-Pflege. Die harsch niedergebuhte Arbeit der türkisch-italienischen Regisseurin Tatjana Gürbaca ist, zugegeben, vor allem eines: langweilig. Das ist erstaunlich, denn als Schülerin von Ruth Berghaus und Peter Konwitschny ist Tatjana Gürbaca nicht nur gut beleumundet. Sie geht mit so viel Ideenmut und harten dramaturgischen Bandagen zu Werke, dass man sich fragt, wie in aller Welt das Ergebnis dermaßen sein Ziel verfehlen kann.
Im Holländer erkennt Gürbaca einen Vorreiter der Globalisierung. Er kauft Daland seine Tochter ab. Aus dem unerlösbaren Massaker am Schluss, bei dem auch Erik sein Leben lässt, geht der Holländer als Agent eines kapitalistischen Verderbens hervor. Er muss seinen fatalen Lauf fortsetzen. Gisbert Jäkel lokalisiert den Geschäftsabschluss (in dem also «Ring»-Motive vorspuken) in einer schwarzen Börsenzentrale. Die Dax-Kurven flimmern. Der Holländer kommt aus der Weltkugel-Vitrine.
Schon dass hier «Anker los!» gebrüllt wird, ist nur schwer hinnehmbar. Trotz aller Klugheit tritt die Inszenierung bis zum ...
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Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...
