Schuld und Sühne
Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plastikbahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist ein Ort, den man erinnert aus zahllosen Krimiserien. Doch zugleich ist er wie geschaffen für den Titelhelden.
Einen Schlüsselbund in der Linken, in schwere Kleider gehüllt, mit Seefahrermütze auf dem Kopf hockt Peter Grimes schwer, wie ein steinerner Gast, auf einem Stuhl mitten im Raum. Vor ihm der Tisch, an dem gleich Swallow, Hobson und die Geschworenen über ihn zu Gericht sitzen werden; neben ihm die Bahre mit der Leiche des Jungen, bewacht von einem Mann mit versteinerter Miene. Musik.
Gleich die erste (sprachlose) Szene zeigt, wie tief Regisseur Lorenzo Fioroni in die Partitur von Brittens «Peter Grimes» eingetaucht ist, wie sehr er die beklemmende Atmosphäre, aus der dieses Stück drei Stunden lang kaum mehr herausfindet, mit sparsamer Zeichensprache zu skizzieren weiß. Das Grau der Welt, die Inhaltsleere des Raumes, ...
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