Närrische Weltverwirrung
L’italiana in Algeri» gehört neben «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola» zu den drei beliebtesten, meistgespielten Bühnenwerken Gioachino Rossinis. Mit diesem am 22 Mai 1813 in Venedig uraufgeführten dramma giocoso und dem wenige Wochen zuvor ebenfalls dort herausgekommenen melodramma «Tancredi» begann der Aufstieg des damals gerade 21-Jährigen zum führenden Opernkomponisten seiner Zeit.
Mit ihren nachgerade possenhaften Zügen von Handlung und Musik ist diese Buffa in vielem noch der alten Typenkomödie verpflichtet, wie Rossini sie im genau fünf Jahre zuvor von Luigi Mosca vertonten Libretto Angelo Anellis vorfand. Der aufgeblasene, seiner Frau Elvira überdrüssige algerische Bey Mustafà, sein ebenso lächerlicher italienischer Gegenspieler Taddeo, ja selbst der sentimentale Liebhaber Lindoro – alle sind sie Archetypen der Commedia dell’Arte. Eine neue Wendung ins Quidproquo des altbekannten Plots bringt Isabella, die ihren Geliebten Lindoro aus der Gefangenschaft befreien will und dazu alle Mittel einsetzt, die einer Frau zur Verfügung stehen. Rossini vertieft ihren Charakter mit ihrer Kavatine «Per lui che adoro» und ihrem den Seria-Ton anschlagenden patriotischen Rondo ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 32
von Uwe Schweikert
Eng geht es zu im Hochgebirge. Wo Richard Strauss die Freiheit des Menschen in der Natur preist, sitzen die rund 100 Damen und Herren des Philharmonischen Orchesters Freiburg dicht aneinandergedrängt. Strauss’ «Alpensinfonie» ist nicht unbedingt auf die Maße des Orchestersaals im Theater zugeschnitten. Und so werden «Gewitter und Sturm» auch zur Bewährungsprobe für...
Manchmal muss man improvisieren. Wegen eines Wasserschadens im Dezember 2022 ist die Bühne im Pfalztheater Kaiserlautern nach wie vor nicht bespielbar. Für die Produktion von Donizettis «L’elisir d’amore» musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Die mehrfach verschobene Premiere fand nun in einem Zirkuszelt neben dem Kaiserslauterer Warmfreibad statt. Belcanto...
Durchs Hagener Theater weht ein leiser Hauch von Buenos Aires. Ein Akkordeon ist es, mit einer wehmütigen Melodie, die auch von Astor Piazzolla stammen könnte. Komponiert hat sie aber Péter Eötvös für seine Tschechow-Oper «Tri sestry», als Inbegriff jener Melancholie, die schon im zugrundeliegenden Theaterstück fast alle Personen ergreift, von Beginn an. Tschechows...
