Glückliche Stunden, wohin seid ihr entflohen?

Ein beeindruckender Doppelabend am Hessischen Staatstheater Wiesbaden verklammert Janáčeks Spätwerke «Die Sache Makropulos» und «Aus einem Totenhaus»

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Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden, schildert den Albtraum des Lebendig-begraben-Seins in einer Strafkolonie. Bei den Maifestspielen am Hessischen Staatstheater Wiesbaden wurden beide Alterswerke erstmals in ihrer Rezeptionsgeschichte an einem Tag aufgeführt.

Regisseur Nicolas Brieger verzahnt sie zu einem szenischen Projekt, das in die Tiefen menschlicher Existenz blicken lässt. Als Klammer, die beide Werke zusammenhält, fungiert das Thema «Zeit». Ein überdimensionales Rad des Lebens aus schwarzem Metall dreht sich im Zentrum der von Raimund Bauer entworfenen Bühne. Im Uhrzeigersinn kreisend, in der modernen Optik einer Stahlturbine. Ein hochaufragendes Symbol des Zeitenlaufs, das in beiden Bühnenwerken dominiert. Und doch: Die Zeit verläuft in jedem Stück, sogar in jeder Szene, höchst unterschiedlich. Verschiedenartige Uhren, deren Zeiger sich mal schnell und mal ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Silvia Adler

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