Nächtlicher Engelsgesang
Tora Augestad ist nicht zu fassen. Ein bisschen erinnert eine Begegnung mit ihrer Kunst an die Erkundung von Herzog Blaubarts Schloss: Mehrere «Türen» gibt es da, die man ganz behutsam öffnet, im Glauben, endlich auf den Schatz (oder zumindest auf irgendeine Erkenntnis) zu treffen, um dann doch jedes Mal ziemlich überrascht davon zu sein, was man in den Räumen selbst vorfindet. Und genau so ist es, wenn man diese außergewöhnliche Sängerin, ob auf der Bühne oder auf einem ihrer Alben, erlebt. Sie entzieht sich der Konkretion und auch der Gewissheit. Dabei ist sie immer die gleiche.
Und doch so viele.
Eines ist Tora Augestad, die Frau mit dem klandestinen Charisma, aber in jedem Fall: eine begnadete Performerin. Stimme, Körper und Geist bilden bei ihr eine Einheit, deren Ausstrahlung man sich selbst dann kaum entziehen kann, wenn sie ein Stück interpretiert, dessen Glanz sich in Grenzen hält. Wie zum Beispiel «As If The Law Is Everything» ihres Landsmannes Henrik Hellstenius. Allein der zugrundeliegende Text von Øyvind Rimbereid ist über weite Strecken eher ambitioniert als philosophisch fundiert. Mit Augestads vibrierend sinnlicher Jazz-Stimme aber wächst dieses musikdramatische ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Jürgen Otten
Der Zeitzeuge zeigte sich beeindruckt: «Der erste Akt beginnt mit dem Erscheinen Auroras. Das ist das womöglich blühendste, wollüstigste Stück Musik, das ich bisher in der Oper gehört habe» – das schreibt Jacques Cazotte im Uraufführungsjahr 1753 von Mondonvilles pastorale héroïque «Titon et l’Aurore».
Große Instrumental- oder Chorbilder waren, neben einer...
Bianca e Falliero» ist die fünfte Oper, die der vielbeschäftigte Rossini 1819 schrieb – allerdings nicht für Neapel, wo er seit 1815 als Hauskomponist tätig war, sondern für Mailand. Stendhal hielt sie für missglückt, sie geriet schnell in Vergessenheit. Selbst prominente Rettungsversuche bei den Rossini-Festivals in Pesaro 1986 und Bad Wildbad 2015 konnten das...
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