Nackte Wahrheiten

Hannover: Wagner: Götterdämmerung

Opernwelt - Logo

In Essen sprach Barrie Kosky nur das Schlusswort zur dortigen «Ring»-Produktion (die sich vier Regisseure teilten), in Hannover gehörte die Geschichte ihm ganz allein. Als er in Hannover antrat, hatte er in Essen schon unterschrieben – und versprach, zwei verschiedene Sichtweisen auf der Götter Ende zu präsentieren. Daraus wurde dann nichts, aber das muss allenfalls Reisekritiker grämen, die sich gern überraschen lassen. Den Hannoveranern kann es egal sein, weil sie den Vorteil haben, schon zu wissen, worum es geht – und mit welchem Personal.

Was sich den Opernfreunden in Essen vielleicht nicht erschlossen hat (Alberich als Judenkarikatur, die Rheintöchter als Varietégirls und eine greise, nackte Erda), das kannten die hannoverschen Wagnerianer schon. Weshalb sich hier der «Ring» dann doch rundete.

Dass Kosky den «höchsten Helden» nicht recht leiden kann, hatte schon sein «Siegfried» gezeigt – an Robert Künzlis strahlkräftiger, unermüdlicher Interpretation kann es nicht gelegen haben. Auch in Hannover gab es zur «Was-bisher-geschah»-Nornenszene Klaus Grünbergs Trickfilm zu sehen, in dem aus der Weltesche ein Brokkolistrunk wurde. Dass der Schicksalsfaden hier ein Zelluloidband ist, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Etwas mehr Ernst, bitte!

Jedes Jahr gibt es zur Festspielzeit in Georg Friedrich Händels Geburtsstadt die Neuproduktion einer seiner Opern. Leider ergreift man dabei kaum einmal die Chance, die Stücke als Herausforderung für eine szenische Neubefragung zu begreifen. Auch die «Ottone»-Inszenierung der Leipziger Operndirektorin Franziska Severin variiert nur längst erprobte Muster, vor allem...

Schuld und Sünde

Eigentlich ist die Geschichte zu grotesk, um glaubwürdig zu sein. Gerade beginnen sich die Alliierten im Zweiten Weltkrieg durchzusetzen, dämmert es allen Beteiligten, dass Hitlers Traum vom Tausendjährigen Reich nicht mehr war als eine aberwitzig-grausame Selbstüberhöhung, da entscheidet sich der lettische Komponist und Dirigent Bruno Skulte, zu dieser Zeit...

Gerappt

Wagner-Opern als Freilichtaufführungen sind selten, denn die Musik verliert dabei fast immer. Wo elektronisch verstärkt und übertragen wird, gehen nicht nur Unmengen an Feinheiten flöten, sondern auch das räumliche Hören. Umgekehrt werden Fehler und Schwächen gnadenlos offengelegt. Trotzdem war «Rienzi» beim Meininger Theatersommer schon deshalb ein Erlebnis, weil...