Engführung

Karlsruhe, Hindemith: Mathis der Maler

Opernwelt - Logo

In den fünfziger Jahren war sie eines der am häufigsten gespielten Werke der Moderne, Paul Hindemiths Künstleroper «Mathis der Maler». Von den Nazis wurde sie verboten. Wohl wegen der Szene, in der Vertreter der katholischen Kirche protestantische Bücher verbrennen lassen. Die Parallelen zu den realen Geschehnissen waren zu offensichtlich. 1934 sollte die Oper von Wilhelm Furtwängler uraufgeführt werden. Daraus wurde nichts, und der Dirigent handelte sich erheb­lichen Ärger mit den Machthabern ein. Eigentlich erstaunlich.

Handelt das Werk doch von einem deutschen Künstler, der in seiner Berühmtheit und menschlichen Größe durchaus an Wagners Sachs erinnert. Die Musik greift auf die Tradition zurück, auf Chaconne und Choral etwa. Die Oper hätte, schreibt Ulrich Schreiber zu Recht, zur Staatsoper des «Dritten Reiches» werden können, wäre da nicht die Szene der Bücherverbrennung gewesen.
Regisseur Alexander Schulin blendet diese zeitgenössische Frage konsequent aus und setzt eine andere Pa­rallele ins Zentrum seiner Interpretation: Brecht hat etwa zur gleichen Zeit, in der Hindemith an seinem «Mathis» arbeitete, seine Theorie des epischen Theaters entwickelt. So inszeniert Schulin mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Drei tolle Tage

Figaro› wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt. An Gedanken-Reichtum gleicht er dem ‹Idomeneo›, an Originalität weicht er keiner anderen». So wusste es vor mehr als zweihundert Jahren Franz Xaver Niemetschek, Augenzeuge der enthusias­tisch aufgenommenen Prager Erstaufführung der Oper. Ganz falsch ist das Urteil des ersten Mozart-Biografen auch heute nicht....

Risiken und Nebenwirkungen

Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin ge­hört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...

Ein Ring, der rollt

Zurück vom Ring!», heißt es im «Ring». Doch die Mode, in beschaulichen Kleinstädten Rie­sen­opern zu präsentieren, ist aus der Gegenwart kaum mehr wegzudenken. Seit Christine Mielitz 2001 ihren Meininger Vier-Tage-«Ring» für den ultimativen Presserummel nutzte, vermelden zahlreiche Stadttheater Heiß­hunger auf die Tetralogie. Nach Müns­ter, Weimar, Karls­ruhe,...