Wenn der Himmel weint
Die Mitteilung lässt es an Deutlichkeit nicht mangeln. «Soffro». Ich leide, so sagt es unumwunden das literarische Alter Ego von Ada Negri in ihrem Gedicht «Nebbie», das vielleicht in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht Ottorino Respighi eine Musik dazu geschrieben, die uns noch heute unter die Haut geht. Zumal dann, wenn sich ein so begnadeter Textausdeuter wie Ian Bostridge dieses fis-Moll-Klagegesangs bemächtigt und ihn, wunderbar intensiv und differenziert von der italienischen Pianistin Saskia Giorgini begleitet, in die Mikrophone haucht.
Bei Bostridge und Giorgini ist «Nebbie» ein herzzerreißendes Lamento, zugleich ist es unerbittlich in seiner Distanziertheit: Kiloschwer schleppen sich die Akkorde übers imaginäre Feld, und so ist auch der Schritt des Sängers, sind es seine Worte, ja ist es seine ganze Existenz. Soffro!
Zum Glück für alle empfindsamen Seelen ist die CD mit Liedern des italienischen Komponisten nicht ausschließlich solchen Leidensoffenbarungen gewidmet. Wie stets bei Respighi mischt sich in den melancholischen Impressionismus eine epikureische Heiterkeit und sonnenlichtdurchflutete, mediterrane Leichtigkeit. Gleich im ersten Lied dieses auch konzeptionell ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Jürgen Otten
Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen...
Frau Šlekytė, Ihr Vorname bedeutet in unserer Sprache «heiter». Ist Heiterkeit eine vorherrschende Konstante Ihres Lebens?
Das wäre sehr schön. Aber ich lebe auf diesem Planeten, der mir zusehends Sorgen bereitet. Vielleicht sagen wir es so: Es gibt verschiedene Gefühle. Heiterkeit ist eines davon.
Was löst das eine wie das andere aus? Sind das künstlerische...
Zahlreiche Uraufführungen und Theaterskandale hat das Théâtre des Champs-Élysées im teuersten Quartier von Paris einst gesehen, so etwa Strawinskys «Sacre»-Ballett mit Vaslav Nijinsky. Heute ist das Theater ein Spielort des internationalen Konzertbetriebs und exquisiter Opernprodukionen, häufig aus dem Segment der historischen Aufführungspraxis.
Claude Debussys...
