Nach dem Sturm
Wenn die Dinge, das Denken und das Fühlen nur noch unterwegs sind, wenn sie keinen Halt mehr kennen, der die Bewegung unterbrechen, ihr Maß, Rhythmus und Sinn verleiht, wächst die Sehnsucht nach dem, was Ernst Bloch mit dem Wort «Heimat» meinte – die Utopie des mit sich und der Welt versöhnten Menschen. Je reißender, unüberschaubarer der Strom des beschleunigten Lebens, desto stärker das Verlangen nach festem Boden. Wer ohnmächtig und ziellos treibt, fragt irgendwann nach dem Woher und Wohin.
Als Willy Decker 2009 die Leitung der Ruhrtriennale übernahm, war es eben diese Frage nach dem metaphysischen Ort und Zustand der modernen Lebenswelt, die im Zentrum seiner künstlerischen Recherchen stehen sollte. Die Suche nach «Urmomenten» der menschlichen Existenz, nach der inneren Energie von Kräften, die wir mit vernutzten, erschöpften Begriffen wie «Religion», «Liebe» oder «Kunst» bezeichnen; die Besinnung auf das Immaterielle, Zweckfreie, Transzendierende von Musik, Poesie, Tanz und Theater – kein Areal schien für dieses Projekt besser geeignet als die gigantische Leere der verlassenen Industriebauten (und -brachen) des Reviers zwischen Duisburg und Dortmund. Wo, wenn nicht hier, sollte ...
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Opernwelt November 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Albrecht Thiemann, Frieder Reininghaus
Fangen wir mit der Musik an, sie ist die eigentliche Sensation des Abends. Ein tönend bewegtes Feuerwerk. Kaum zu glauben, dass hier dasselbe Orchester spielt, das man in den vergangenen zwei Spielzeiten häufig übersteuert und unpräzise erlebt hat. Die Gegenwart gehört der Jugend. Nicht einmal 30 Jahre alt ist Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der...
In keiner anderen Puccini-Oper ist Lokalkolorit so beherrschend wie in «Turandot». Denn das märchenhafte China bildet nicht nur die exotische Kulisse des Geschehens; unüberhörbare Anleihen aus Fernost finden sich auch in der Partitur. Kein Zufall also, dass «Turandot» traditionell ein beliebter Gegenstand von kostümseligen Monumentalaufführungen unter freiem Himmel...
Die Met eröffnete ihre Saison mit dem Auftakt eines Unternehmens, das für das Haus sowohl in finanzieller als auch in künstlerischer Hinsicht von großer Bedeutung ist: Als erste Lieferung der lange angekündigten Neuproduktion des «Ring»-Zyklus präsentierte man «Das Rheingold» in der Regie von Robert Lepage. Rund 16 Millionen Dollar, so wird berichtet, umfasse das...
