Mythos und Kunstgewerbe
Nehmen Sie überhaupt alles so, wie wenn es sich vor zwei oder drei Jahren irgendwo zwischen Moskau und Neuyork zugetragen hätte», riet Hugo von Hofmannsthal seinem Partner Richard Strauss bei einem Konzeptionsgespräch zur gemeinsamen Oper «Die ägyptische Helena». Zwanzig Jahre nach ihrer Zusammenarbeit an «Elektra» wollte der Dichter den Komponisten noch einmal für ein Sujet begeistern, in dem sich antiker Mythos mit moderner Psychologie verband.
Zwischen den beiden Werken lag die niederschmetternde Erfahrung des Ersten Weltkriegs, die sich in Hofmannsthals Libretto widerspiegelt, wenn auch mythisch verklausuliert. Menelas, nach dem zehn Jahre währenden Trojanischen Krieg mit Helena auf der Heimreise, ist im Begriff, sie zu töten, als ein Seesturm losbricht. Die Zauberin Aithra hat ihn entfacht, um sich die Wartezeit auf ihren Geliebten Poseidon zu verkürzen. Sie nimmt die Schiffbrüchigen in ihre Behausung auf und unterzieht sie einer gründlichen Therapie. Ein Lotostrunk, der Vergessen bringt, ist der erste Schritt. Aithra kann Menelas weismachen, dass seine Frau die ganze Zeit in Ägypten im Schlaf gelegen habe, während sie in Troja von einem Phantom-Double vertreten wurde (diesen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina...
Zum Tod von Róbert Ilosfalvy
Unter den Tenören seiner Generation tat sich der Ungar Róbert Ilosfalvy durch sein emotionales Engagement und die Wärme seines Tons besonders hervor, was ihn vor allem zum Protagonisten in Puccinis Opern prädestinierte. Nach seinem Debüt als Hunyadi László in Ferenc Erkels gleichnamiger Oper (1954) stieg er rasch zu einem der ersten...
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und...
