Ins Absurde getrieben
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und Grün.
Christian Stückl, Oberammergauer Passionsspielleiter und Münchens Volkstheaterintendant, konterkariert zusammen mit seinem Bühnenausstatter Stefan Hageneier alles Tümelnde um den berühmten Renaissance-Komponisten und das Kirchenkonzil von 1563, tilgt alles Behäbige in dem Kampf des einsamen Genies um Kreativität, Akzeptanz, Überleben im Dienst einer autoritären Kirche.
Verschwunden ist in dieser Aufführung die Betulichkeit eines zwischen politischen und theologischen Interessen eingeklemmten Künstlerschicksals. Allerdings behält Giovanni Pierluigi da Palestrinas von Depression und Selbstbehauptung bestimmtes Geschick Züge einer Existenzkrise. Es war Intendant Nikolaus Bachler, der nach Neuproduktionen von «Macbeth» und «Wozzeck» das ominöse Stück des anrüchigen deutschen Komponisten unbedingt in seinen ersten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Neues Musiktheater ist selten lustig. Im Raumklang findet Lachen keinen Platz. Deswegen gebührt der japanischen Komponistin Misato Mochizuki allein schon dafür Dank, dass sie ihrer ersten Beschäftigung mit dem Musiktheater ein heiter-witziges, zugleich mit etwas tieferer Bedeutung ausgestattetes Libretto zugrunde legt. Der Titel ihrer Kammeroper klingt...
Feste soll man feiern, wie sie fallen: Aus Anlass der im Jahr 1907 erstmals durchgeführten Parlamentswahlen und der 1917 errungenen staatlichen Unabhängigkeit bat das finnische Parlament in Kooperation mit den Opernfestspielen von Savonlinna, die ihrerseits 2007 ihr vierzigjähriges Jubiläum feierten, den Komponisten Olli Kortekangas (*1955), eine Oper über die...
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
