Postsozialistisches Roulette
Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze auf den Spielplan zu setzen.
Eine Spieleroper in Zeiten der Finanzkrise? Das wäre ein Ansatz. Aber so weit geht Thilo Reinhardt mit der Aktualisierung nicht.
Er verlegt die Handlung eher behutsam aus dem Petersburg des 19. Jahrhunderts in ein örtlich nicht präzise bestimmtes Russland nach dem Sozialismus. Anstelle des Adels der Zarenzeit bildet eine Neureichen-Clique die Elite. Für den Habenichts Hermann ist das einerlei, und der Spieltisch bedeutet noch immer eine Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Der Transport ins Heute gelingt überraschend konsequent und schlüssig, wenn auch um den Preis gesellschaftskritischer Schärfe. Denn die Hotel-Lobby, die Paul Zoller als Einheitsraum geschaffen hat und in der die sieben Bilder gleitend ineinander übergehen, könnte in jeder beliebigen Stadt zu finden sein ...
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Hoch hinaus wollte er schon als ganz junger Mann. Gerade fünfzehn war Christian Jost, da drückte er am Theater seiner Heimatstadt Trier als Ballettrepetitor die Klavierbank. Damals ahnte er bereits, dass der Begleitdienst an den Tasten auf Dauer nicht sein Ding war. So wenig wie eine Medizinerkarriere, die sich die Mutter so sehr wünschte. Oder ein...
Herr Kaufmann, Cavaradossi ist ein Maler. Malen Sie selbst eigentlich auch?
Nur für meine Kinder, die geben ungefähr fünf Raketen pro Woche bei mir in Auftrag. Aber dass ich es früher nie ernsthaft versucht habe, lag wohl einfach daran, dass meine Schwester das viel besser konnte. Sie hat so gut gemalt, dass sie durchaus etwas daraus hätte machen können. Aber dann...
Regisseurin Beverly Blankenship hatte geradezu kindlichen Spaß an der mit Wasser gefluteten Bühne von Marianne Hollenstein. Sie ließ nach Herzenslust planschen in der Münchner Erstaufführung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan», der seine Frau und den vermeintlich missgestalteten Sohn in einem Fass auf dem Meer aussetzt. Ob ein singender Schwan...
