Besucher ohne Theater
Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress. Tagsüber behandle ich Menschen mit Depression, Ängsten und Stimmungsschwankungen oder erforsche die Folgen von Stress auf die menschliche Psyche. Abends gehe ich ins Theater.
Im Zuschauerraum sitzen, das Programmheft auf den Knien und den staubigen Duft des Parketts in der Nase verspüren – das ist für mich die Therapie von der Therapie. Es geht um das Stück, um die Inszenierung, die Kunst – aber nicht nur. Wonach es mich dürstet, ist das ganze Erlebnis des Theaterabends. Dazu gehört das scharrende Klingelzeichen und auch die Garderobenmarke zwischen meinen Fingern in der Tasche. Und dazu gehören die Menschen, mit denen ich mich zum Theaterbesuch verabrede und mit denen mich während und nach der Vorstellung ein besonderes Gefühl von Zugehörigkeit verbindet. Und der Ausklang in der Kantine oder der Bar nebenan. Und dazu gehört auch ein ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Thema Ästhetische Erfahrung, Seite 41
von Mazda Adli
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