Mystischer Verismo
Verismo, eine Mixtur aus Leidenschaft, Herzschmerz und Bigotterie – so präsentiert sich der Operndreiakter «Mala vita» von Umberto Giordano, dessen «Andrea Chénier» über den politisch schillernden Dichter der Französischen Revolution zum italienischen Kernrepertoire gehört. Nahezu ohne historische Bezüge und von rauerer Bauart ist die «Mala vita»-Handlung, in ihrer süditalienischen Dynamik entfernt an «Cavalleria rusticana» erinnernd: Der moribunde Färber Vito gelobt, um dem nahen Tod zu entgehen, die Prostituierte Cristina zu heiraten.
Als er wieder munter wird, verschieben sich die Perspektiven: Der anscheinend wundersam Gerettete fühlt sich als Retter einer «gefallenen» Frau, wird bockig und hält sie hin, zumal seine bisherige Mätresse Amalia ältere Rechte anmeldet, die Nebenbuhlerin sogar tätlich angreift. So bleibt Cristina als Opfer zurück, während Vito, ungeachtet des nicht eingehaltenen Gelübdes, weiterhin pumperlgesund dahinlebt.
Die Hure als Opfer: Die gut (oder schlecht) katholisch unterfütterte Pointe wird in der Gießener Inszenierung von Wolfgang Hofmann drastisch ausgespielt. Vito leidet, Cristina stirbt auf einem Altar in Bühnenmitte. Aber auch die fatale sexuelle ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
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