Biedere Konvention

Meyerbeer: Les Huguenots
Paris | Opéra Bastille

Es ist kaum zu glauben, aber unverrückbare Tatsache: Vor 82 Jahren stand Meyerbeers Meisterwerk «Les Huguenots» zum letzten Mal auf dem Spielplan der Pariser Oper. Dabei zählte das Werk, Inbegriff der Grand opéra, mit 1118 Vorstellungen seit der Uraufführung (1836) zu den meistgespielten Opern nach Gounods «Faust». Nach 1936 gab es nur sehr spärliche Versuche, den in Frankreich seit Längerem schon recht unbeliebten Meyerbeer zu rehabilitieren, meist vergeblich – 2011 immerhin gelang Olivier Py mit den «Huguenots» in Straßburg und in Brüssel ein großer Wurf.

Das lässt sich leider von der Neuproduktion an der Opéra Bastille nur sehr bedingt sagen. Nicht, dass der Abend misslungen oder unprofessionell wäre. Aber eine derart brave, allenfalls honorable Regie (Andreas Kriegenburg) bietet bei Weitem nicht genug, um einem so gigantischen Werk gerecht zu werden.

Das weiß-kühle, zeitlos-glatte Bühnenbild von Harald B. Thor ermöglicht rasche Bildwechsel und erweist sich als besonders sängerfreundlich. Die Kostüme schwanken zwischen stilisiertem Futurismus und Historismus. In diesem lauwarmen Ambiente bleibt die Inszenierung in jedem Augenblick durchsichtig. Abgesehen von der konfusen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Christian Merlin

Weitere Beiträge
Mikroports erobern die Bühne – ist das wirklich gut?

Ich habe die Geschichte von einer Freundin, die vor Jahren als Dramaturgin im altehrwürdigen Theater der Residenzstadt B. arbeitete. Sie machten damals Offenbachs «Barbe-Bleue». Schwieriges Stück, weil durch das Frivole die politische Dimension dieser Opéra-bouffe hindurchschimmert, man aber genau das nur zart andeuten darf, will man nicht die 1001. moralinsaure...

Beängstigend aktuell

Das Schlusswort haben die Streicher. Ein Ton, der wie verlöschendes Feuer glimmt, ein letztes Mal Licht spendet, bevor es dunkel wird und still. Ein sehrend schwingender Strahl, er trifft ins Mark. Was kann jetzt noch kommen? Niemand weiß es. Auch Schönberg wusste es nicht. Mit diesem im Offenen verhallenden Ton endet «Moses und Aron», sein unvollendetes...

Impressum November 2018

59. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752316

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opern...