Mutter Courage
Männer sind einfach unersetzlich? Nun ja. Ob dem so ist oder nicht, liegt wohl in erster Linie an der Perspektive, aus der heraus man es betrachtet, also im Auge des oder der Betrachtenden. Die einen, zu denen vor allem Fans von Herbert Grönemeyer zählen, sagen so; die anderen, weit stärker einer evidenzbasierten Erkenntnis zugeneigt als dem Reich der blühenden (männlichen) Phantasien, sagen so.
Auch Mrs Alice Ford, aufgeklärte Gattin eines weniger aufgeklärten Vertreters der alten Schule, ist eine Anhängerin dieser positivistischen Weltanschauung, und wenn der selbstverliebte, alte, etwas aus Form und Fasson geratene Sir John Falstaff im schäbigen Rocker-Outfit und mit maliziös-dümmlichem Grinsen ihre schicke Villa samt dazugehörigem Swimmingpool betritt, dann gibt es keinen Grund mehr, an deren Richtigkeit zu zweifeln. Dieser leicht verunglückte Beau, den Michael Volle mit der für ihn typischen Grandezza ausstattet, ist nicht unersetzlich, er ist eine Zumutung auf zwei Beinen.
Was tun? Ganz einfach: ihn erst bezirzen, mit den Waffen einer Frau vorführen, dann in einen Wäschekorb verfrachten (was ja vermutlich die meisten Frauen von Format an Alices Stelle nur zu gern einmal tun ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Porträt, Seite 58
von Jürgen Otten
Lauscht man allein den einzelnen Da- capo-Arien der einzigen Oper dieser Komponistin im Nebenberuf, staunt man über die handwerkliche Kunstfertigkeit, das kundige Abrufen der Affekttypen, die gelehrte Erfüllung der Form: Wilhelmine von Preußen (oder auch: Wilhelmine von Bayreuth) erweist sich anno 1740 auf der Höhe Händels. Zwischen den Zeilen aber und dennoch...
Wenn Gennaro und seine Kumpels beim Fest im Palast der Fürstin Negroni ausgelassen dem Madeira zusprechen, tänzelt die Musik triolisch federnd und in ausgelassenem C-Dur. Das sollte zumindest so sein im zweiten Akt von Donizettis Melodramma «Lucrezia Borgia». In der akustisch mehr als befriedigenden Ausweichspielstätte OPAL des Nationaltheaters Mannheim scheint dem...
In welcher Weise an diesen Uomo universale erinnern? Wie ihm in der Vielfalt seiner Begabungen und Betätigungen gerecht werden? Benjamin Appl, einer der letzten Schüler Dietrich Fischer-Dieskaus und ihm über mehrere Jahre hinweg verbunden, hat eine charmante Idee: die Vielseitigkeit seines Lehrers einfach zum Programm zu machen. So ist das Buch mit CD, das als...
