Mutter Courage
Männer sind einfach unersetzlich? Nun ja. Ob dem so ist oder nicht, liegt wohl in erster Linie an der Perspektive, aus der heraus man es betrachtet, also im Auge des oder der Betrachtenden. Die einen, zu denen vor allem Fans von Herbert Grönemeyer zählen, sagen so; die anderen, weit stärker einer evidenzbasierten Erkenntnis zugeneigt als dem Reich der blühenden (männlichen) Phantasien, sagen so.
Auch Mrs Alice Ford, aufgeklärte Gattin eines weniger aufgeklärten Vertreters der alten Schule, ist eine Anhängerin dieser positivistischen Weltanschauung, und wenn der selbstverliebte, alte, etwas aus Form und Fasson geratene Sir John Falstaff im schäbigen Rocker-Outfit und mit maliziös-dümmlichem Grinsen ihre schicke Villa samt dazugehörigem Swimmingpool betritt, dann gibt es keinen Grund mehr, an deren Richtigkeit zu zweifeln. Dieser leicht verunglückte Beau, den Michael Volle mit der für ihn typischen Grandezza ausstattet, ist nicht unersetzlich, er ist eine Zumutung auf zwei Beinen.
Was tun? Ganz einfach: ihn erst bezirzen, mit den Waffen einer Frau vorführen, dann in einen Wäschekorb verfrachten (was ja vermutlich die meisten Frauen von Format an Alices Stelle nur zu gern einmal tun ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Porträt, Seite 58
von Jürgen Otten
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