Black voices matter
Der afroamerikanische Countertenor Reginald Mobley ist in der Neuen wie in der Alten Welt aufgetreten und hat sich im Barock-Repertoire wie im Crossover einen Namen gemacht. Sein erstes, 2023 erschienenes Soloalbum «Because», das die Brücken vom Jazz zurück zu den Spirituals schlägt, wurde mehrfach preisgekrönt.
Sein zweites Album mit dem Titel «Solitude» ist ebenso ungewöhnlich, denn es gibt neben der süchtig machenden Melancholie eines John Dowland oder Henry Purcell auch den gestern wie heute unterdrückten «Americans of Color» eine Stimme – den «Ausdruck der schwarzen Seele», wie er selbst im Booklet schreibt. Und dies mit einer der schönsten, berückendsten Stimmen, denen man im Counter-Fach überhaupt begegnen kann.
Man muss fast schon bis zu dem unvergesslichen Alfred Deller, ihrem Entdecker, zurückdenken, um vergleichbar beredte Aufnahmen der bekanntesten Dowland- und Purcell-Lieder zu finden. In Purcells Arie «Music for a While» nimmt Mobley wie Deller das neunmalige, mittels Pausen voneinander abgesetzte Wiederholen des Wortes «drop», übrigens mit markant gerolltem «r», in einem Atem, und gibt auf diese Weise dem unablässigen Herunterfallen der Schlangen vom Kopf der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 33
von Uwe Schweikert
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow...
Gluck, so der Dirigent Ian Page im Booklet zu Ann Hallenbergs Recital, «ist einer der am meisten vernachlässigten und unterschätzten großen Komponisten, dessen Namen man häufiger in Büchern als in der Oper oder im Konzertsaal begegnet». Abseits der bekannteren Reformopern, muss man ergänzen, sogar so gut wie nie. Hallenbergs Gluck-Album ist ein Ereignis, weil es...
Wie ein Todeswunsch klingt? Beispielsweise so wie in der tiefgreifenden Schmerzensszene «Pallid’ombre, che scorgete» aus dem dritten Akt von Mozarts Seria «Mitridate, re di Ponto». Doch nicht etwa in Moll-Tonart hat der Komponist dieses Recitativo accompagnato und die anschließende Cavatine der gekrönten, aber unglücklichen Königin gehüllt, wie zuvor noch in...
