Erfahrbare Zeit

«Kassandra» von Matthias Nitschke und Stefan Behrisch

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Als Intendantin habe ich die Möglichkeit, auf Impulse zu reagieren, die aus dem Ensemble kommen. Im Fall «Kassandra» wurde ich von der Schauspielerin Christina Huckle auf den Text von Christa Wolf aufmerksam gemacht: «Lass uns da was draus machen. Der Text lässt mich nicht mehr los.» Das war der Startpunkt. Als Regisseurin bin ich hauptsächlich mit den großen Werken der Opernliteratur beschäftigt, habe aber immer mehr Interesse dafür entwickelt, anderen Pfaden zu folgen.

Eine wesentliche Erfahrung war für mich die spartenübergreifende Produktion «Dunkel ist die Nacht, Rigoletto» am Theater Bielefeld. In dieser Arbeit traf die Musik Verdis auf einen zeitgenössischen Komponisten, traf ein Schauspieler mit zeitgenössischem Text auf klassische Sängerinnen und Sänger, traf Stille auf Musik. Ein inspirierendes Feuerwerk.

Auch das Projekt «Kassandra» ist nicht als durchkomponierte Oper gedacht, sondern als Monolog einer Schauspielerin, deren innere Stimmen in einen Klangraum überführt werden: Mathis Nitschke und Stefan Behrisch haben eine Musik für Orchester und Chor geschaffen, erweitert um einen improvisierenden Cellisten, Elektronik und Soundkompositionen. Die Komposition orientiert ...

Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Nadja Loschky

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