Das etwas andere Bühnenweihfestspiel
Eine Ausgrabung, die es in sich hat: Das Theater Hof präsentiert (als Koproduktion mit dem Vorpommerschen Theater Stralsund) die erst 1965 in Prag aufgefundene, 1995 in Bielefeld von John Dew uraufgeführte Oper «Der Sturz des Antichrist» von Viktor Ullmann.
Der Komponist, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, bezeichnete das Werk, das er 1935 auf der Basis eines gleichnamigen Stücks des schweizerischen Dichters Albert Steffens schrieb, aus gutem Grund als Bühnenweihefestspiel: Es ist – wie Wagners «Parsifal» – ein Gedankendrama, in dessen Mittelpunkt jedoch nicht das Mitleid steht, sondern die Freiheit des Geistes, geistiger Widerstand gegen jede Form von Despotie.
Die Inszenierung von Anton Nekovar in der prägnant abstrahierenden Ausstattung von Daniel Dvorak macht deutlich, wie hellsichtig Komponist und Librettist die Mechanismen eines totalitären Staats beschrieben haben. Man reibt sich die Augen, wie schnell der diktatorische Regent zwei seiner letzten drei Widersacher, den opportunistischen Techniker und den ängstlichen Priester, auf seine Seite bringt. Nur der Künstler, der Dichter, lässt sich nicht instrumentalisieren, begibt sich, begleitet von einem mentorhaften ...
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Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel...
Musik und Zahlen? Tonkunst und Mathematik? Nie und nimmer, mag der Musikliebhaber denken, hat die hoch verehrte Muse etwas mit der schnöden, emotionslosen Welt des Rechnens zu tun, abgesehen vielleicht davon, dass Kunst ja auch bezahlt werden will. Ist es nicht geradezu ein Schlagwort in der Debatte um die Kulturförderung, dass Kunst sich eben nicht rechnet, sich...
Die Stärken der Aufführung liegen auf musikalischer Seite. Man spielt im Wesentlichen die Fassung von 1872 plus Basilius-Kathedralen-Bild von 1869 in deutscher Übersetzung von Max Hube. GMD Golo Berg gelingt es in einer klangsuggestiven, straffen, gleichwohl poetischen Lesart, den Balanceakt zwischen Archaik und Moderne hörbar zu machen, der Mussorgskys «Boris...
