Die Macht der Leere

Kassel, Verdi: Simone Boccanegra

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Eine klare Sache, dieser «Boccanegra». Durch konsequente Weglassung historischer Staffage gelingt es Benedikt Borrmann, Verdis lange vernachlässigter Oper zu einem nachvollziehbaren Bühnenleben zu verhelfen. Hafentrubel, Korsarenromantik, Renaissanceopulenz hätten bei dem Versuch, den Konstellationen zwischen den unglücklichen Personen auf den Grund zu gehen, nur gestört. Nein, Glück gibt es in diesem Einheitsbühnenbild von japanischer Schlichtheit wirklich nicht. Eine gerundete, rechtwinklig strukturierte Milchglaswand schließt die Einheitsbühne nach hinten ab.

Sie ist Barriere für die Blicke, die sich nicht vom Geschehen vorne ablenken lassen sollen. Zweimal bekommt sie eine eigene «Rolle», als der Schatten Fiescos, der geheimen Macht im Hintergrund, zu sehen ist und als das Blut des hingerichteten Verräters Paolo das trübe Glas befleckt und die Versöhnungsszene zwischen Simone und Fiesco am Ende belastet.
Die Macht ist das zentrale Thema des Abends, die Macht, die der Doge über seine Bürger hat, die Macht, die seine Feinde über seine Tochter ausüben, die Macht, die jede menschliche Beziehung verhindert. Gebeugt von dieser Last sind die Personen keines zügigen Schrittes mehr in ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Johannes Mundry

Vergriffen
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