Die Geburt des Gesangs aus dem Geiste der Poesie
Kaum ein Sänger hat in jüngster Zeit Publikum und Kritik so fasziniert und zu beinahe widerspruchsloser Zustimmung bewegt wie der lyrische Bariton Christian Gerhaher. Diese Widerspruchslosigkeit ist für ihn selbst freilich keine reine Freude, ja erfüllt ihn mit leichtem Misstrauen dem Publikum, vor allem aber sich selbst gegenüber.
Sollte seine Gesangskunst einem Trend entsprechen, gar «Mode» sein? Kein Gedanke wäre ihm schrecklicher als dieser, ist es doch sein ganzes Streben, nur dem Anspruch der Kunst und seinem eigenen musikalischen Ethos zu folgen, die Gesetze des «Markts» und der Eventkultur, die ihn mit nichts als Ekel erfüllen, zu durchkreuzen und im Sinne Nietzsches unzeitgemäß zu sein. Daher ist ihm sein steigender Erfolg – vor allem in der zurückliegenden Spielzeit, die wohl für ihn eine der wichtigsten war –, so sehr er ihn naturgemäß freut, ein wenig verdächtig, ja unheimlich. Möchte er sich durch ihn doch nicht von der strengen Bahn, die er, der Moralist der Kunst, sich vorgezeichnet hat, abgelenkt werden. Christian Gerhaher ist nun einmal ein Grübler und Skeptiker, der alles, was er singt, hinterfragt – auch und vor allem sich selbst und seinen Gesang.
Bei den ...
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Am Telefon: Placido Domingo
Herr Domingo, kommt ein Belkantotenor reinsten Wassers aus Italien?
Nein, ich bin Spanier, in Madrid geboren.
Wann und wie begannen Sie zu musizieren?
Als ich neun Jahr e alt war, befreundete ich mich mit dem Klavier. Ich wollte Dirigent werden. Auch sang ich nebenher – natürlicherweise, denn sowohl mein Vater als auch meine Mutter...
Kunst kommt von Kontinuität. Das ist eines der Ergebnisse unserer diesjährigen Umfrage unter 50 Opernkritikern. Basel war 2009 als erstes Theater der Schweiz Opernhaus des Jahres, und es kann diesen Titel auch 2010 weiterführen. Hintereinander gab’s ihn bislang nur für Stuttgart, und das ist eine Weile her. Der Basler Erfolg hat wesentlich mit der klugen,...
Richard Klein: Meine Damen und Herren, soweit Richard Wagners «Rheingold»-Vorspiel in der Inszenierung von Johanna Dombois. Was wir gerade erlebt haben, scheint mir ein idealer Gegenstand für die Doppelaufgabe zu sein, über die Neuen Medien im Allgemeinen und Wagners «Ring» im Besonderen zu sprechen, wirft es doch von sich aus die Frage auf: Wie überhaupt anfangen?...
