Auf schwankendem Niveau
Memoiren seien die Zeitbomben des Pensionisten, sagte Henry Kissinger. Das mit dem Pensionisten trifft im Falle Ioan Holenders nicht ganz zu, denn der 75-Jährige ist als Berater großer Opernhäuser und Festivalleiter weiterhin im Geschäft. Darauf verweist auch der Titel seines neuen Buchs, das pünktlich zum Abschluss seiner Direktionsära erschien: «Ich bin noch nicht fertig» – ein Zitat aus Strauss’ «Capriccio», mit dessen Theaterdirektor La Roche Holender einiges gemeinsam hat.
Der allerdings sagt zuvor: «So lasst mich doch nur zu Worte kommen! Vorschnell beurteilt ihr!» Buchmäßig zu Wort gekommen war Holender bereits vor neun Jahren. Doch seine erste Autobiografie sei noch nicht die wahre gewesen, sagt er. Wahrheiten konnte er erst schreiben, als er keine Rücksichten mehr nehmen musste. Im neuen Buch gibt es nun wahre Bosheiten und boshafte Wahrheiten.
Gelegentlich schießt Holender dabei übers Ziel hinaus, etwa in seiner Attacke gegen das Theater an der Wien und dessen «kleinkarierten neuen Leiter», der ihm – nachdem er sich die älteste Opernbühne Wiens nicht selbst als zweite Spielstätte (für Mozart und Barock) hatte beibiegen können – stets ein Dorn im Auge war. Dass dieses ...
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Liebermann: Sie greifen die Opernhäuser an und meinen die Autoren. Die Tatsache, daß die Komponisten Ihrer Ansicht nach keine Werke geschrieben haben, die die Musik weiterbringen oder bedeutungsvoll sind, heißt doch nicht, daß deswegen die Opernhäuser in die Luft gesprengt werden müßten. Die Komponisten sollten dann eher dran glauben; denn die Opernhäuser können ja...
Da saß er nun endlich im Ruhrtriennale-Büro und redete auf mich ein. Die Haare standen ihm vom Kopf, als wäre er gerade in einen Sonnensturm geraten. Seine dunklen Augen glänzten und ließen nicht los. Er erzählte von der unterirdischen Stadt, die sich von Duisburg bis Dortmund erstreckte, von den großen Bahnhöfen untertage und wollte dort irgendwo unbedingt ein...
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich...
