Musik, die aus der Kälte kommt

«Gogol» in Wien, «The Blind» in Berlin, «Cinderella» in Helsinki: Hartmut Regitz über die unheimliche Präsenz der Komponistin Lera Auerbach

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Kalt ist das Licht, das hinter einer durchsichtigen Lamellenwand erstrahlt, und der Wintermond macht eher frösteln, anstatt das Herz zu erwärmen. «Herr, mein Gott, erbarme dich unser!», lautet denn auch eine Gebetszeile in der Chor-«Ouvertüre», während sich schattenhaft eine Prozession durch den Schnee kämpft. «Russland in tiefer Nacht», heißt es dazu im Programmheft, und einer der beiden, die aus der Tiefe des Raumes auftauchen, singt erst einmal ein «Wiegenlied für den Mond», das der ­ersten von insgesamt sieben Szenen ihren Titel gibt.

Nikolka nennt sich der Kleine, der niemand anderes ist als das kindliche Alter Ego jenes Mannes, der im Augenblick seines Todes sein Lebenswerk als einen Alptraum erlebt: ­Nikolai Wassiljewitsch Gogol.

«Gogol» nennt Lera Auerbach lapidar ihre «Opera-misteria in drei Akten», als wollte sie auf einen Epitaph anspielen. «Russland» wäre nicht weniger waghalsig gewesen, denn ihre ers-
te Oper, die nicht wirklich ihre erste ist, könnte kaum russischer sein. Dabei lebt die in Tscheljabinsk geborene Komponistin seit 1991 in New York und besitzt seit Jahren neben dem russischen einen amerikanischen Pass. Von einem kurzen Aufenthalt vor längerer Zeit und ...

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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hartmut Regitz

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