Donizettis Wahnsinnsfrauen
Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben.
Der weltweite Erfolg des Schottendramas sorgte dann vollends dafür, dass die ursprüngliche Absicht in Vergessenheit geriet und sich die praktikablere Flöte durchsetzte – erst in den letzten Jahren haben einige Aufführungen (zum Beispiel an der Hamburger Oper) auf die von Donizetti auch in anderen Werken («Elisabetta al Castello di Kenilworth») zur Schilderung mentaler Grenzüberschreitungen genutzten Klangfarben der Glasharmonika zurückgegriffen. Inzwischen scheint sich diese Variante etabliert zu haben.
Nach einem im letzten Jahr bei Naxos veröffentlichten Mitschnitt aus Bergamo ist
Valery Gergievs Neuaufnahme nun schon die zweite «Lucia» in der Glasharmonika-Version, und der sphärisch-körperlose, wie aus einer anderen Welt herübertönende Auftritt des Instruments sorgt prompt für den stärksten Moment der Einspielung. Viel mehr Positives gibt es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 46
von Jörg Königsdorf
Als sie 2004 aus Kiel an die Deutsche Oper Berlin wechselte, schwebte über dem einst legendären Haus der Ruf einer Krisenstätte: Christian Thielemann war im Zorn abgetreten; das Orchester schmollte, weil es sich finanziell benachteiligt fühlte; das Repertoire war in beklagenswertem Zustand; die Politik brütete über Fusionsplänen. Und dann hatte Kirsten Harms ...
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...
So viel Moderne war lange nicht mehr in Salzburg. Markus Hinterhäuser, dem Musikerintendanten für einen Sommer, wurde im Vorfeld übel mitgespielt. Der Erfolg des Sommers 2011 ist sein persönlicher Triumph. Dazu gehört eine Rückbesinnung auf Nonos «Prometeo» und das postdramatische Musiktheater; Janáceks «Die Sache Makropulos», von Christoph Marthaler mit einer...
