Auf der Höhe der Zeit

Mit Wagner, Berlioz und Verdi auf Du: Giovanni Bottesinis «Ero e Leandro» aus Crema auf DVD

Opernwelt - Logo

Er muss ein verrückter Vogel gewesen sein, der Kontrabass-Virtuose, Dirigent und Komponist Giovanni Bottesini (1821–1889), der auf seinem Instrument schon in jungen Jahren mit dem Geiger Paganini verglichen wurde und bei seinen Auftritten ein ebensolches Fieber hervorrief wie dieser oder zeitgleich Liszt als Pianist. Unermüdlich reiste er durch die halbe Welt, häufte Reichtümer an und starb bettelarm, so dass die Stadt Parma schließlich noch für sein Begräbnis aufkommen musste.

Sein Freund Giuseppe Verdi sorgte für eine Phase der Sesshaftigkeit in diesem Vagabundenleben, indem er Bottesini als Chefdirigent ans Theater des Khediven nach Kairo vermittelte, wo er 1871 die Uraufführung der «Aida» leitete und in den kommenden sieben Jahren ein umfangreiches Repertoire bestritt. Als das Theater wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen musste, ließ Bottesini in Kairo (und zwar äußerst ungern) einen kleinen Harem und eine große Dienerschaft zurück.

Seine Kompositionen für Kontrabass haben sich bis heute im Konzert-Repertoire erhalten, seine Opern dagegen sind nicht einmal mehr dem Titel nach bekannt. Das galt bis vor Kurzem selbst für seine erfolgreichste, «Ero e Leandro», die 1879 in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 46
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Synergetische Klangkunst

Franz Liszt ist einer der wenigen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der alle Gattungen kompositorisch bedacht hat: Solostück, Kammermusik, Orchesterwerk, Lied, Messe und Oratorium, Konzert und Oper. Doch ausgerechnet die Oper wirkt wie ein Fremdling in seinem ansonsten so üppigen Werkkatalog. Als Jugendlicher versucht er sich an «Don Sancho ou Le Château de...

«Der schwierigste Opernjob in Deutschland»

Als sie 2004 aus Kiel an die Deutsche Oper Berlin wechselte, schwebte über dem einst legendären Haus der Ruf einer Krisenstätte: Christian Thielemann war im Zorn abgetreten; das Orchester schmollte, weil es sich finanziell ­benachteiligt fühlte; das Repertoire war in beklagenswertem Zustand; die Politik brütete über Fusionsplänen. Und dann hatte  Kirsten Harms ...

Französisches Barockglück

Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...