Musentempel? Musenstall!

Fall: Madame Pompadour Cottbus / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Schon komisch: Ausgerechnet Cottbus ist in den letzten Jahren zur unbestrittenen Karnevalshochburg der Neuen Länder aufgestiegen. Bis zu 100 000 Menschen feiern jedes Jahr mit. Weil allerdings in Brandenburg während der närrischen Zeit stramm durchgearbeitet wird, findet der «Zug der fröhlichen Leut» jeweils schon am Sonntag vor Rosenmontag statt. Dann hat jeweils auch das En-Suite-Operettenspektakel sein Finale, mit dem das Staatstheater Cottbus das tolle Treiben unterstützt.



2013 fiel die Wahl auf Leo Falls Madame Pompadour – und Regisseur Bernd Mottl erklärt kurzerhand das ganze Große Haus zum «Musenstall», inspiriert vom Namen der Fastnachts-Spelunke aus dem ersten Akt der Fall’schen Historienkomödie. Ins zwielichtige Etablissement eingeschleust werden die Besucher durch die Hintertür. Dann geht es durch schmale Gänge, unterm Bühnen­boden hindurch, Treppen rauf und runter bis ins Foyer, wobei kleine Performances vom A-Cappella-Schlager-Chor über eine Karaoke-Station bis hin zur Poledance-Stangenhangelei den Parcours säumen.

Auf der Bühne wiederum steht – verkehrte Welt! – der Theaterbau von 1908 selbst, in seiner ganzen eklektizistischen Herrlichkeit (Bühne: Friedrich Eggert). ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Um die Ecke gedacht

Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei ­Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...

Musik ist eine geduldige Kunst

Die Aufführung begann um fünf nach vier am Nachmittag. Als nach dem ersten Akt der Applaus einsetzte, war es fünfundreißig Minuten nach fünf, ohne dass unsere Uhr ihren Geist aufgegeben hätte. Das ist natürlich keine präzise Zeitmessung, aber doch eine verblüffende Erkenntnis und sehr wahrscheinlich ein Rekord. Schneller ist der Gral noch nie enthüllt worden –...

Die Tortur des Kreises

 Wo bleiben die Gehilfen? Wir warten. Und warten. Und warten. Einen ganzen Abend lang. Wie Wladimir und Estragon. Aber K.s Lakaien aus dem Schloss-Roman lassen sich so wenig blicken wie Becketts Godot. Sven Holm und seine Musiktheaterperformancetruppe Novoflot haben die beiden Clownsknechte auf ihre «Winterreise» nach Franz Kafka nicht mitgenommen. Und damit einen...