Herrschaft der Gewissenlosen

Verdi: Un ballo in maschera Sydney / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum Verhör, durch eine riesige Gittervorrichtung, die sich stückweise mal hebt, mal senkt, schließlich ganz herabfährt.



Die Verschwörer Ribbing und Horn liefern den entscheidenden Hinweis, als sie Graf Anckarström die Wahrheit über König Gustav anvertrauen und enthüllen, was sich tatsächlich hinter dem Mummenschanz der geladenen Hofgesellschaft verbirgt. Nicht weniger beredt die Musik: grabesernst, insbesondere im unmittelbaren Kontrast zur emotionalen Mehrdeutigkeit der Ouvertüre. Dieses Vorspiel ist ein Versprechen: Das wird ein ganz großer Abend für die Oper in Australien. Vielleicht einer der größten.

Andrea Molino zeigt am Pult mit jedem Schlag, dass er selbst gelernter Komponist ist. Der Tonsatz wirkt licht, von subtiler Dramatik, das Dirigat ist durchdacht und zupackend, intensiv der Kontakt zur Bühne. Chor und Solisten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von John Carmody

Weitere Beiträge
Gold, Pink, Camp

Auf der Bühne dreht sich langsam ein angeschnitter Kubus im Bauhaus-Stil. Oben in einem verglasten Raum schmiegt sich blaues Ethnokleid an pinke Funktionsweste, schwarzes Haar an Rockerglatze, presst sich Mund an Mund: Zwischen Aida und Radames ist alles klar in Zagreb. Sie knutschen, bis Anubis seine Nüstern dazwischenschiebt. Knallpink der Gott des Totenkults,...

In Hülle und Fülle

Fesch sind sie beide, doch in ihrer Erscheinung unterscheiden sie sich deutlich: Klaus Florian Vogt, der blonde deutsche Held, und Jonas Kaufmann, der «Latin Lover» aus München. Ihr Singen entspricht dem äußeren Bild: Hell, fast weiß – für seine Fans wie Sekt, für weniger ­Begeisterte wie Selters – klingt die Stimme Vogts; jene Kaufmanns hat die rubinrote Farbe...

British Firsts

«Es ist doch ein schöner Gedanke – wahrscheinlich statistisch auch nicht völlig absurd –, dass aus zwei Millionen Dollar zwei Millionen neue Noten werden», sinnierte David Pountney jüngst in seinem Blog, voller Freude über ein Geschenk der Getty-Familie. Das finanziert der Welsh National Opera fünf Ur- und Erstaufführungen (im weitesten Sinne) in fünf Jahren,...