Mummenschanz
Die Bregenzer Programm-Maximen gelten wie eh und je: draußen am Bodensee vor bis zu 7000 Besuchern die massentaugliche, gleichwohl geschmackvoll-seriöse Opern-Show, drinnen im Festspielhaus die Uraufführung oder der Fund. Unter freiem Himmel wird diesmal «Turandot» wiederholt, die Puccini-Erkundung des Regisseurs und Bühnenbauers Marco Arturo Marelli, samt Chinesischer Mauer und Terrakotta-Armee, Drachenriesen, Feuerartisten und Fahnenschwenkern.
Als Turandot, im Vergleich zum Vorjahr deutlich konsolidiert, noch einmal Mlada Khudoley, dazu Rafael Rojas als Calaf mit virilem Glanz in der genießerisch zelebrierten Höhe und das kostbar-lyrische Liu-Wunder der Guanqun Yu.
Drinnen gibt es die Hamlet-Oper von Franco Faccio (1840-1891). Eine Rarität, wie sie rarer nicht sein kann: Sie kennt wohl nur, wer es 2014 nach Albuquerque/New Mexico geschafft hat, wo das Werk ins Rampenlicht gehoben wurde – zum ersten Mal, seit es nach der von einem indisponierten Tenor vermurksten Mailänder Produktion 1871 von den Spielplänen verschwand.
Franco – wer …? Selbst Informierte kommen da ins Grübeln. Franco Faccio war einer der höchstgeschätzten italienischen Dirigenten des 19. Jahrhunderts. Die ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Heinz W. Koch
JUBILARE
In seiner Heimatstadt Bogotá, Kolumbien, studierte Alejandro Ramirez Medizin, Musik und Gesang. Nach der Promotion zum Dr. med. kam der Tenor nach Deutschland, wo er seine Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik Freiburg weiterführte. Zwischen 1975 und 1985 war er Ensemblemitglied verschiedener deutscher Opernhäuser. Gastengagements führten ihn u. a....
«Wagners Leben ist so oft erzählt worden, dass es nicht mehr erzählbar ist.» Das ist kein Stoßseufzer aus dem Jubiläumsjahr 2013, in dem zu Richard Wagners 200. Geburtstag erwartungsgemäß eine erhebliche Welle an (auch unerheblicher) Literatur über uns hereinbrach. Nein, Carl Dahlhaus urteilte so vor 45 Jahren in der Einleitung zu seinem Band über die Musikdramen....
«Von Reformen, ganz enormen, träumen wir am Bosporus»: Nein, das ist nicht das neueste Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf Recep Tayyip Erdogan, sondern die Forderung aus einem Istanbuler Damensalon des Jahres 1916. Obwohl die türkische Oberschicht in Leo Falls «Die Rose von Stambul» längst westlich denkt und empfindet, bedient man in Sachen Geschlechterverhältnis...
