Mummenschanz
Eines war von vornherein klar: Hier gilt’s dem Gaudium. Hier ist nichts ernst zu nehmen, wenn ein Stoffesel, mit zwei Menschen befüllt, im Kaiserhof des Klosterneuburger Stifts seine Runden trabt. Das 20-jährige Jubiläum der sommerlichen Opernspiele sollte ordentlich gefeiert werden, am besten mit einer handfesten Komödie, noch besser mit einer, die zum klösterlichen Ambiente passt. Und so geschah es auch. Gioachino Rossinis vorletzte vollendete Oper «Le Comte Ory» hat es getroffen. Und das – zumindest was das Szenische betrifft – gar nicht so schlecht.
Denn der Franzose François de Carpentries zeigt das Verwirrspiel um den ständig verliebten Grafen Ory als das, was es ist: eine spritzige Komödie. Hier wird nichts gedeutet, nichts interpretiert, nichts aktualisiert. Man spielt und singt einfach drauflos, als wäre so etwas wie Regietheater noch gar nicht erfunden. Carpentries erspart seinem Grafen, der um die Gunst der verwitweten Adèle ringt, nichts. Im wohlfeil anmutenden Eremitenkostüm, weiße Langhaarperücke inklusive, lässt er ihn als Glaubensmann auftreten, der bestens am Rosenmontag überzeugen könnte.
Um in Adèles Schloss zu gelangen, verkleiden sich Ory und seine Mannen ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Susanne Zobl
Wer die Musiktheaterszene im Vereinigten Königreich verfolgt, weiß, dass zumindest ein Zweig der Branche kräftig austreibt: die «country house opera». Glyndebourne, das 1934 den Anfang machte, gibt bis heute den Ton an. Aber seit 1989 Garsington nachzog, haben allerhand andere Kompanien das Modell kopiert.
Dazu gehört auch die Grange Park Opera im Hampshire. Das...
Es gibt da dieses Ensemble Ende des ersten Akts von Rossinis «Barbiere di Siviglia» – «Mi par d’esser con la testa» –, in dem die Beteiligten ihrer heillosen Verwirrung und Überforderung Luft machen. Unser aller Gedanken zum Thema Brexit könnte man getrost mit derselben Melodie unterlegen: Was auf die britische Opernszene zukommt, weiß der Himmel. Gewiss ist nur,...
«Le timbre d’argent», das ist eine kleine silberne Tischglocke – die in Camille Saint-Saëns’ gleichnamiger Oper fatale Wirkungen entfaltet. Wann immer der Maler Conrad sie bedient, findet er prompt Geld in Hülle und Fülle, bringt aber damit zugleich einen ihm nahestehenden Menschen um. Das Geld benötigt er für die schöne Tänzerin Fiammetta, über die er seine...
