Mummenschanz

Rossini: Le Comte Ory
Klosterneuburg | Opernfestspiele

Eines war von vornherein klar: Hier gilt’s dem Gaudium. Hier ist nichts ernst zu nehmen, wenn ein Stoffesel, mit zwei Menschen befüllt, im Kaiserhof des Klosterneuburger Stifts seine Runden trabt. Das 20-jährige Jubiläum der sommerlichen Opernspiele sollte ordentlich gefeiert werden, am besten mit einer handfesten Komödie, noch besser mit einer, die zum klösterlichen Ambiente passt. Und so geschah es auch. Gioachino Rossinis vorletzte vollendete Oper «Le Comte Ory» hat es getroffen. Und das – zumindest  was das Szenische betrifft – gar nicht so schlecht.

Denn der Franzose François de Carpentries zeigt das Verwirrspiel um den ständig verliebten Grafen Ory als das, was es ist: eine spritzige Komödie. Hier wird nichts gedeutet, nichts interpretiert, nichts aktualisiert. Man spielt und singt einfach drauflos, als wäre so etwas wie Regietheater noch gar nicht erfunden. Carpentries erspart seinem Grafen, der um die Gunst der verwitweten Adèle ringt, nichts. Im wohlfeil anmutenden Eremitenkostüm, weiße Langhaarperücke inklusive, lässt er ihn als Glaubensmann auftreten, der bestens am Rosenmontag überzeugen könnte.

Um in Adèles Schloss zu gelangen, verkleiden sich Ory und seine Mannen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Susanne Zobl

Weitere Beiträge
Furioser Experimentator

Muss man Méhul kennen? Zusammen mit Cherubini und Spontini, Lesueur und ­Boieldieu gehört der vor genau 200 Jahren, am 18. Oktober 1817, verstorbene Tonsetzer aus den Ardennen zu den Opernkomponisten, die in den unübersichtlichen und tendenziell lebensgefährlichen Zeiten zwischen dem Sturm auf die Bastille und der Niederlage Napoleons in Paris wirkten –...

Kontinent Mozart

Drei Mozart-Opern hat der Verein «Zuflucht Kultur» seit 2014 auf die Bühne gebracht. Mit Profis aus Deutschland – und Flüchtlingen aus Syrien, Nigeria, Afghanistan sowie vier weiteren Ländern. «Bei uns», sagt die Sängerin Cornelia Lanz, «wird Mozarts Musik von Monologen und internationalen Klängen unterbrochen. Wir bauen arabische Melismen ein oder ein afghanisches...

Wer weiß, wie das wird

In der Gerüchteküche wirken kaum Chefs de cuisine – umso mehr Hobbyköche. Und die köcheln an der Donau wieder mal mit großem Eifer. Denn die Universität Wien beschäftigt sich zur Zeit mit Vorwürfen gegen den designierten Direktor der Wiener Staatsoper (ab 2020) Bogdan Roščić, dieser habe in seiner Dissertation ohne Quellenangabe abgekupfert. Im Herbst soll...