Müder Staatsakt

Smetana: Libuše
Prag | Nationaltheater

Der Komponist wollte das Stück nicht im Repertoire sehen – «Libuše» sollte besonderen Anlässen, nationalen Feierlichkeiten reserviert bleiben. Zwar haben es Regierungen aller Couleurs auch so gehalten, und das in heroischen Sekundintervallen wabernde Thema der Ouvertüre dient seit 1918 sogar als offizielle Fanfare des tschechoslowakischen, inzwischen bloß noch tschechischen Staatspräsidenten. Den Niederungen des Betriebsalltags entging Smetanas Nationaloper deswegen nicht. In Prag steht sie eigentlich ständig auf dem Spielplan.

Keine einfache Aufgabe, das zum Regelfall gewordene Ausnahmewerk anlässlich des 100. Jahrestags der Republik erneut und seinem Nimbus entsprechend zu inszenieren.

Pilsen hatte schon im Herbst 2017 den Anfang gemacht, es folgten Aufführungen beim Festival in Smetanas Geburtsort Litomyšl und in Pardubice, jetzt kamen Brünn und Prag an die Reihe. Selbst das abtrünnige Bratislava präsentierte in einem Galakonzert den Finalakt der «Libuše», allerdings kombiniert mit Eugen Suchoňs «Svätopluk», der slowakischen Nationaloper.

Die größte Aufmerksamkeit durfte Prags Nationaltheater beanspruchen, hatte doch Smetana die Oper just für diese Lokalität geschrieben. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Überwältigendes Totaltheater

Die Afrikaner sollen das Marschieren lernen. Erst klappt es nicht so richtig. Sie bewegen sich zwar im Takt der Marschmusik, ihre Bewegungen erinnern jedoch an Stammestänze. Doch bald fügen sie sich und ziehen für ihre Kolonialherren in den Krieg. William Kentridges Stück «The Head and the Load» erzählt von den vielen afrikanischen Soldaten, die im Ersten...

Auf Grund gelaufen

Das Stück berührt immer noch. In der als inszeniertes Konzert angekündigten Aufführung von Henzes Dokumentar-Oratorium «Das Floß der Medusa» in der Bochumer Jahrhunderthalle gerät das Werk allerdings in seichtes Gewässer und läuft, um im Bild zu bleiben, ähnlich spektakulär auf Grund wie die Fregatte «Medusa» 1816 bei dem Versuch, den Senegal für Frankreich...

Melancholie, mon amour

Nanu, was haben wir denn da? Donna Anna in anderen Umständen? Noch während die Staatskapelle Weimar und ihr (zum Saisonende scheidender) GMD Kirill Karabits auf sprungfedernden Füßen durch die Ouvertüre flitzen, steht Heike Porstein im Brautkleid auf einem Podest im Bühnenrückraum und streicht ihre Hände sanft über den gewölbten Bauch. Zu ihrer Rechten, im...