Mechanismen der Angst

Salzburger Festspiele II: Kent Nagano und Krzysztof Warlikowski bemühen sich in der Felsenreitschule um Hans Werner Henzes «The Bassarids»

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Musik wie hinter einem Schleier, erkennbar und fremd, tieftraurig und schwelgerisch schön. Oboen setzen mit einer Klagebewegung ein, der Chor öffnet in sanfter Wiegenbewegung den Klangraum nach oben: «Zu dir in Demut eil’ ich, mach du mich fromm und rein.» Der Sohn ist tot. Ein Hoffnungsträger wurde geschlachtet. Golgatha ist nah, Bachs «Matthäus-Passion» auch. Knapp zwei Minuten lang. Dann folgt ein harter Schnitt, und der neue Hoffnungsträger hat das Wort. In gleißendem Klanggewand propagiert er seine Herrlichkeit: «Bald werde ich euch erscheinen.

»

Eine der faszinierenden Scharnierstellen in «Die Bassariden». Hans Werner Henze verändert immer wieder die Perspektive, spielt mit Hör- und Denkrichtungen, rückt die Figuren aus den «Bakchen» des Euripides in wechselndes Licht. Pen­theus, der junge Herrscher von Theben zum Beispiel, ist alles andere als ein Opferlamm. Zu Beginn der Oper wird er mit Zwölftonmodi charakterisiert: eine kühle, bizarre Musik mit großen, unnatürlichen Intervallsprüngen. Pentheus erscheint da als hart durchgreifender Diktator, der Aberglauben und Ausschweifungen mit Gewalt ausschaltet und vor allem die Ehre seiner Tante Semele hochhalten will. Deren ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch

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