Im Erinnerungsnebel

Jürgen Kesting über Verdis «Simon Boccanegra» an der Hamburgischen Staatsoper, dirigiert von Simone Young,

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In der Kunst, so schrieb Giuseppe Verdi an den die Partie des Falstaff studierenden Victor Maurel, «ist das Vorherrschen der reflektiven Tendenzen ein Zeichen von Dekadenz». Bei der Hamburger In­szenierung von «Simon Boccanegra» – verantwortet von Claus Guth und Chris­tian Schmidt (Bühnenbild und Kos­tü­me) – ist der Zuschauer gezwungen, lauter Regiereflexionen zu enträtseln und sich durch ein Labyrinth von Bildchiffren und Handlungsbrechungen zu winden.

Wenn der Vorhang sich zu den dunklen Streicherfiguren des Prologs – auch durch vier dunkle Männerstimmen in Nachtfarben getaucht – öffnet, ist es hell. Boccanegra erhebt sich und wird zum Zeugen seiner eigenen Geschichte. In einem Spiegel, der den Bühnenhintergrund bildet, erlebt er in assoziativen Bildern und Episoden seinen Werdegang: seine Wahl zum ­Dogen, die Konfrontation mit seinem Widersacher Fiesco und den Tod seiner Geliebten Maria im Prolog; dann, fünfundzwanzig Jahre später, das Wiedersehen mit seiner Tochter Maria und die große Ratsszene mit dem Friedens­appell; die Kontroverse mit Paolo und seinen Tod durch Gift. Für diesen Erinnerungstraum benötigte die Regie zwei Simone-Doubles, deren Auftritte den Zuschauer immer ...

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Opernwelt April 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Kesting

Vergriffen
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