Im Erinnerungsnebel
In der Kunst, so schrieb Giuseppe Verdi an den die Partie des Falstaff studierenden Victor Maurel, «ist das Vorherrschen der reflektiven Tendenzen ein Zeichen von Dekadenz». Bei der Hamburger Inszenierung von «Simon Boccanegra» – verantwortet von Claus Guth und Christian Schmidt (Bühnenbild und Kostüme) – ist der Zuschauer gezwungen, lauter Regiereflexionen zu enträtseln und sich durch ein Labyrinth von Bildchiffren und Handlungsbrechungen zu winden.
Wenn der Vorhang sich zu den dunklen Streicherfiguren des Prologs – auch durch vier dunkle Männerstimmen in Nachtfarben getaucht – öffnet, ist es hell. Boccanegra erhebt sich und wird zum Zeugen seiner eigenen Geschichte. In einem Spiegel, der den Bühnenhintergrund bildet, erlebt er in assoziativen Bildern und Episoden seinen Werdegang: seine Wahl zum Dogen, die Konfrontation mit seinem Widersacher Fiesco und den Tod seiner Geliebten Maria im Prolog; dann, fünfundzwanzig Jahre später, das Wiedersehen mit seiner Tochter Maria und die große Ratsszene mit dem Friedensappell; die Kontroverse mit Paolo und seinen Tod durch Gift. Für diesen Erinnerungstraum benötigte die Regie zwei Simone-Doubles, deren Auftritte den Zuschauer immer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Klebe, Sie haben eine Oper über Balzacs «La Peau de Chagrin», einen der Romane der «Comédie humaine», komponiert. Wie kam es zur Wahl dieses Stoffs?
Es ist jetzt fast fünfzig Jahre her, seit ich «Die tödlichen Wünsche» geschrieben habe. Ich habe damals mit meiner Frau zusammen sehr viel Balzac gelesen und war spontan überzeugt, dass das ein Opernstoff wäre....
«I love you!» – Wenn Gustav Aschenbach dieses Bekenntnis seines Begehrens für den schönen jungen Tadzio am Ende des ersten Teils von Benjamin Brittens letzter Oper «Death in Venice» singt, dann ist das in der Frankfurter Erstaufführung ein Moment höchster Intimität und zugleich größtmöglicher Einsamkeit. Spots bringen Gesicht und das Weiß der Anzüge von Kim Begley...
Mimì friert in Thessaloniki nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch außerhalb des Theaters. Die Temperaturen in Griechenlands zweitgrößter Stadt sind im Februar nicht weit von denen in Paris entfernt. Auch Schnee ist hier kein Fremdwort, der unvermeidliche Bühnenschnee im zweiten Bild also nichts Exotisches für die Menschen unweit des Götterwohnsitzes Olymp.
Das...
