Momente des Vergnügens
Unter der Leitung von Francesco Micheli hat sich das Donizetti Opera Festival zu einem der interessantesten Opernfestspiele Italiens entwickelt. Gerade programmatisch fällt dem Intendanten jedes Jahr etwas Neues ein. Diesmal waren es – neben dem Schlager «La favorite» zur Eröffnung – mit «Chiara e Serafina» und «L’aio nell’imbarazzo» zwei Werke des Namensgebers, die wohl nur Eingeweihten bekannt sein dürften. Doch dazu später.
Das Libretto von «La favorite» erzählt eine ziemlich düstere Geschichte – in Kürze: Der junge Fernand hat sein Noviziat aus Liebe zu Léonor, der Mätresse des spanischen Herrschers Alphonse XI., beendet. Der König bietet sie Fernand zum Schein als «Belohnung» für den Fall an, dass dieser in einem Feldzug die feindlichen Mauren besiegt. Nachdem Fernand im Triumph zurückgekehrt ist, jedoch erfahren hat, wer Léonor wirklich ist, verzichtet er auf sie und flieht ins Kloster. Gerade als er sein Gelübde ablegen will, taucht die Angebetete auf, um ihn um Vergebung zu bitten, und stirbt in seinen Armen.
In Bergamo wurde die französische Originalversion von «La favorite» aufgeführt, mit einem von Claudio Fenoglio gut vorbereiteten Chor und unter der energischen ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Guy Cherqui
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise,...
Der Anfang ist erheiternd – eine Diaschau mit aktuellen Bezügen zur historischen Caterina Cornaro (1454–1510), die nach dem Tod ihres Gatten Zypern regierte, ehe Venedig 1489 endgültig die Herrschaft über die Insel an sich riss. Man muss befürchten, dass Donizettis Oper als Klangkulisse eines öden Biopics missbraucht würde. Doch die erste Szene, die mit ordinärer...
In der Bühnenmitte steht eine Art Auge, Linse oder Fokus, darin dreht sich zuweilen Fortunas Rad, meistens aber öffnet sich eine Aussicht, auf das Meer zum Beispiel. Von rechts und links ragen Kulissen hinein wie im Barocktheater, aber sie sind schon ein bisschen beschädigt und ruiniert – als hätte man sie irgendwo gefunden und würde sie jetzt wiederverwenden.
Das...
