Mitten unter uns
Der Glaube an die bewusstseinsverändernde Kraft des Theaters hat seine besten Tage hinter sich. Die aristotelische Katharsis, das Lessing’sche Vertrauen in die sittliche Wirkung der Empathie, der Schiller’sche Ruf nach der Schaubühne als moralischer Anstalt – all das kommt uns heute wie Schnee von gestern vor. Aus vielen Gründen. Vor allem wohl, weil die Bühne Anfang des 21. Jahrhunderts als Forum der Verständigung über Individuum und Gesellschaft nur noch eine Nebenrolle spielt.
Die antiken Götter sind entmachtet, die Rebellion des (längst seinerseits erodierenden) Bürgertums gegen die Aristokratie ist erledigt. Und das, was man demokratische Teilhabe nennt, ist aus Parlament und Parkett auf den Bildschirm abgewandert, in die Talkshows des Fernsehens oder die (Chat-)Foren des Internets. Auf der Strecke blieb dabei nicht zuletzt die Vision eines politischen Theaters, das – im Geiste Bert Brechts und Antonio Gramscis – von einer Revolution in den Köpfen träumte, die am Ende eben doch zu der von Marx prognostizierten radikalen Umwälzung der sozialen Verhältnisse und zum Ende der «Vorgeschichte» führen werde.
In dieser Tradition stehen die beiden Bühnenwerke Luigi Nonos: «Intolleranza ...
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Ein Geist schwebt über den Wassern. Im glitzernden Leibchen scheint Maura Morales aller Erdenschwere enthoben. «Ein Sturm weht», heißt es zuvor in einer Leuchtschrift, der «Engel der Verzweiflung» hängt nicht einfach in den Seilen, sondern stürzt sich wenig später mal kopfüber, mal kopfunter in ein Geschehen, das ihm am Ende nicht unbedingt gut bekommen soll.
Ein...
Mit Michael MacLeods fünftem und letztem Sommer als Künstlerischer Leiter des Glimmerglass Opernfestivals ging eine rundum erfreuliche Saison zu Ende. Daran wird sich seine Nachfolgerin Francesca Zambello zu messen haben. Natürlich will die in den USA viel beschäftigte Regisseurin eigene Akzente setzen: Für 2011 hat sie bereits angekündigt, den gewohnten Mix um...
Das Bedürfnis, die menschliche Stimme terminologisch in verschiedene Register einzuteilen, rührt daher, dass bei einer Stimme, die über mehrere Oktaven geführt wird, verschiedene Bereiche akustisch zu unterscheiden sind, besonders deutlich bei unausgebildeten Stimmen. Schon im mittelalterlichen Musikschrifttum findet man Hinweise auf eine Dreiteilung der «vox...
