Geduld ist alles

Joachim Schlömer lässt zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Künstlerischer Leiter des Festspielhauses St. Pölten einen «Engel der Verzweiflung» kreisen

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Ein Geist schwebt über den Wassern. Im glitzernden Leibchen scheint Maura Morales aller Erdenschwere enthoben. «Ein Sturm weht», heißt es zuvor in einer Leuchtschrift, der «Engel der Verzweiflung» hängt nicht einfach in den Seilen, sondern stürzt sich wenig später mal kopfüber, mal kopfunter in ein Geschehen, das ihm am Ende nicht unbedingt gut bekommen soll.



Ein «Traumspiel» à la Strindberg? Passend dazu sänge jedenfalls Cristina Zavalloni, auf Knien rutschend, die «Canzonetta spirituale sopra alla Nanna» von Tarquinio Merula, und das so hingebungsvoll, wie sich das ein Zuhörer nur wünschen kann. Nein, Joachim Schlömer bezieht sich bei seiner «Produktion mit TänzerInnen, Sängerinnen und Musikern», mit der er seine zweite Spielzeit als Künstlerischer Leiter des Festspielhaus St. Pölten eröffnet, vielmehr auf eine These Benjamins, die ihn während seiner Arbeit am «Rheingold» seinerzeit in Stuttgart beschäftigte, und auf den «Auftrag» von Heiner Müller, in dem der «Engel der Verzweiflung» den Menschen seine pessimistische Weltsicht recht drastisch vor Augen führt.

Kreativer Künstler, der er ist, hat Schlömer nicht einfach einen Text in Szene gesetzt. Grenzüberschreitende Erfahrungen ...

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Opernwelt November 2010
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Hartmut Regitz

Vergriffen
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