Mit Nachdruck
Die Sopranistin Anne Schwanewilms ist vor allem durch ihre Verkörperung der großen Strauss-Partien bekannt geworden. Seit einiger Zeit widmet sie sich aber auch intensiv dem Lied. 2013 legte sie ihr erstes Lied-Recital beim Label Capriccio vor, wo jetzt eine weitere CD erschienen ist.
Im Zentrum des klug komponierten Programms stehen elf Schubert-Lieder, darunter einige der populärsten und meistaufgenommenen, wie «An den Mond», «Im Abendrot», «Die junge Nonne», «Der Tod und das Mädchen». Das fordert zum Vergleich heraus – den Schwanewilms nicht besteht.
Auch im Liedgesang, bei dem jede Nuance zählt, kann sie mit ihrer Neigung zum schönen Ton und zur runden Phrase die Opernsängerin nicht vergessen machen. Dennoch irritieren weniger die kleineren stimmlichen Unebenheiten – Intonationstrübungen, enge Tongebung, angestrengt klingende Spitzentöne, manierierte Vokalverfärbungen – als die oft wenig sensible, allzu nachdrückliche Wortdeklamation. Bei der Schubert-Auswahl, darauf deutet schon der der Schiller-Vertonung «Schöne Welt, wo bist du?» entlehnte Titel der CD, konzentriert sie sich auf reflexive, melancholische Stücke – und gerade dieser Ausdruck liegt Schwanewilms’ immer zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Für Helmut Krausser, den Librettisten, ist er schlicht «der Mann, der alles wissen wollte»: Anasthasius Kircher (1602-1680). Ein universalgebildeter Jesuit, der aus der Rhön stammte und in Rom unermüdlich nach Wegen suchte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Kircher beschäftigte sich mit Mathematik, Medizin, Musik, Astronomie, Biologie und Akustik, er analysierte...
Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum: Ich träumt’ in seinem Schatten so manchen süßen Traum. Bei Prosa spielt der Zeilenumbruch keine Rolle, bei poetisch gestalteter Sprache ist er entscheidend. Haben Sie die vier Verse mit dem Reim erkannt? Ja sicher, aber Sie kannten Wilhelm Müllers Dichtung, nicht wahr?
In CD-Booklets und Programmheften werden...
Bonjour Frankreich! Ein besseres Motto lässt sich für die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci kaum denken. 16 Tage und Nächte lang erinnerten zahlreiche Künstler nicht nur an den Geist einer Verständigung, für den repräsentativ der intellektuelle Diskurs von Friedrich II. und Voltaire gestanden hat, sondern machten einem interessierten Publikum noch einmal all das...
