Patchwork
Für Helmut Krausser, den Librettisten, ist er schlicht «der Mann, der alles wissen wollte»: Anasthasius Kircher (1602-1680). Ein universalgebildeter Jesuit, der aus der Rhön stammte und in Rom unermüdlich nach Wegen suchte, den Dingen auf den Grund zu gehen. Kircher beschäftigte sich mit Mathematik, Medizin, Musik, Astronomie, Biologie und Akustik, er analysierte Gesteine, Farben und (die damals noch nicht entschlüsselten) Hieroglyphen. Und notierte, rund drei Jahrhunderte vor Messiaen, diverse Vogelstimmen.
Ob sich der Pater, oft im Auftrag des Papstes, in das Innere der Erde vertiefte oder an einer laterna magica bastelte, stets zielte sein Streben aufs große Ganze: «In uno omnia», lautete die Devise.
Aber es ist dann wohl doch eher das Eklektische, kaleidoskopisch Bunte der in 44 gedruckten Bänden und zahlreichen Briefen überlieferten Wissenswunderkammer, was Louis Andriessen, den mittlerweile 77-jährigen Doyen des postmodernen Musiktheaters in den Niederlanden, an der Geschichte Kirchers reizte. Eben jenes im englischen Titel seines neuen Bühnenwerks mitschwingende theatrum mundi, in dem sich Spaß und Ernst, Nonsens und Erkenntnis, das Skurrile und das Erhabene nahtlos ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Albrecht Thiemann
Einer der schönsten Konzertsäle des alten Europa liegt die längste Zeit des Jahres im Dornröschenschlaf. Nur vier Wochen im Sommer ist er wach. Dann sind die Türen offen, von der Matinee bis kurz vor Mitternacht geben sich hier bekannte Musiker die Klinke in die Hand, einige kehren auch jedes Jahr wieder. Zum Beispiel Cecilia Bartoli, die eigentlich nur dieses...
Spätestens seit Beethovens Ausspruch «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» steht der Komponist über dem «Tonsetzer»: Er wird zum Stifter wahrer Kunstreligion, ja zum Demiurgen selbst. Schon Schumanns «Marsch der Davidsbündler gegen die Philister» zielte übers rein Ästhetische hinaus, noch seine freundlicheren «Musikalischen Haus- und...
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