Freunde, kommt ins Offene!
Der Racheengel trägt Rot: giftig glühendes Scharlachrot. Auf den Lippen, über den Knien, um Schultern und Hüften. Kühl-mondän, einen Hauch verwegen präsentiert sich die Pariser Kinobesitzerin Emmanuelle Mimieux in ihrem delikat dekolletierten Kleid an diesem Abend, der für sie die einmalige Chance bereithält, ihre von den Nazis hingeschlachtete Familie zu rächen. Nicht eine Sekunde hat die junge Frau, deren wahrer Name Shosanna Dreyfus lautet (und die von Mélanie Laurent unvergleichlich gut gespielt wird), vergessen, was vor drei Jahren geschah.
Nun will sie nur noch eines: die Täter auslöschen. Der Preis ist hoch, sie liebt ihr Kino. Aber Shosanna kann nicht anders, sie muss das Unvermeidliche tun. Also setzt sie das Gebäude in Brand, mit Hilfe ihres Partners Marcel (Jacky Ido). Die Glut seiner Zigarette ist es, die, während drinnen der Propagandastreifen «Stolz der Nation» läuft, in den Haufen von Nitrofilmbändern fällt und jenes Inferno in Gang setzt, dem die gesamte Nazi-Prominenz zum Opfer fällt: Hitler, Goebbels, Göring, Bormann. Aber auch sie selbst, Shosanna Dreyfus alias Emmanuelle Mimieux, stirbt.
Das Kino steht heute noch. War ja nur ein Film. Allerdings ein brillant ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Jürgen Otten
Sie wurden geliebt, sie wurden gefeiert. Sie erhielten die denkbar höchsten Gagen, sie waren die Helden der Höfe. In ihnen sah man das Ideal der Reinheit bewahrt – nota bene: die Reinheit der Kunst. Und jeder, der sein Herz an die Bühnenwerke des Barock verloren hat, kennt ihre berühmtesten Vertreter: Farinelli, Senesino, Caffarelli, Carestini, Nicolini. Doch nur...
Seit seiner Uraufführung am Petersburger Mariinski-Theater 1890 bildet «Fürst Igor» ein von Bewunderern innig geliebtes Problemkind des Opernrepertoires. Problematisch ist zum einen das Libretto: eine Folge von grob gezeichneten Abziehbildern aus dem mittelalterlichen Russland ohne dramatischen Spannungsbogen oder sprachliche Prägnanz. «Oper» im abgegriffensten...
Herr Reinvere, wie sind Sie eigentlich auf das Thema «Beethovens Tochter» gestoßen?
Auslöser meines Interesses war sein berühmter Brief an die «Unsterbliche Geliebte» aus dem Jahr 1812. Wenn man sich fragt, welche Frau die Adressatin dieses Briefes gewesen sein könnte, begegnet man sehr schnell Josephine Brunsvik, jener aus einem ungarischen Adelsgeschlecht...
