Mit glücklicher Hand
Zu den ambitioniertesten Aufnahmeprojekten der jüngeren Zeit gehört die Gesamteinspielung all jener Werke Antonio Vivaldis, deren Handschriften vor gut hundert Jahren in den Besitz der Biblioteca Nazionale Universitaria in Turin gelangten: Es sind nicht weniger als rund 90 Prozent aller bekannten Autographen des Komponisten. Neben fast 300 Konzerten und zahlreichen kirchenmusikalischen Werken umfasst diese Sammlung, von der wesentliche Impulse für die Wiederentdeckung des Kompo -nisten im 20. Jahrhundert ausgingen, auch den Großteil der überlieferten Opern Vivaldis.
Von denen wurden bereits 19 für die Vivaldi-Edition des Labels Naïve produziert. Fortgesetzt wird die Reihe jetzt mit «Arsilda, regina di Ponto», einer Oper, die 1716/17 zwar mit großem Erfolg in Venedig lief, dann aber von keinem anderen Theater mehr nachgespielt wurde.
Der Librettist Domenico Lalli griff für sein Dramma per musica nicht wie üblich auf bekannte Mythen oder historische Ereignisse zurück, sondern erfand eine eigene Geschichte der Irrungen und Wirrungen rund um Arsilda, die fiktive Königin von Pontus. Tamese, König des benachbarten Reiches Kilikien, will sie heiraten, ist aber seit einiger Zeit ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 28
von Thomas Seedorf
Als Theodor Fontane gefragt wurde, um was es im «Stechlin», seinem letzten Roman, denn gehe, brauchte er nicht viele Worte: «Zum Schluss stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.» Der Rest: literarisches Abendleuchten, Gelassenheit des Alters, ein lächelndes Ja-Sagen zur Hinfälligkeit alles...
Grisélidis» aus dem Jahre 1901 steht im Schatten vieler bekannterer Opern aus Massenets Feder. In der Tat scheint diese «Conte lyrique», also: «lyrische Erzählung», mit ihrem ins Mittelalter projizierten Traumbild von ehelicher Treue so überzeichnet, mit der Fokussierung auf den unbedingten Gehorsam der Ehefrau so altväterisch, dass schon vergangene Generationen...
Das Rote Meer teilt sich: Die Hebräer fliehen vor den Ägyptern, die in den zurückflutenden Wassermassen versinken. Mit diesem alttestamentarischen Bild endet Rossinis «Moses in Ägypten». Der Komponist schätzte dramatische Effekte. Um das Verbot weltlicher Opern zur Fastenzeit zu umgehen, griff er – wie viele Komponisten seiner Zeit – auf einen biblischen Stoff...
