Mit Geschichte aufgeladen
Erst erwürgt Madame Mao ihren Gatten, dann schießt sie alle anderen über den Haufen, Amerikaner wie Chinesen. Schließlich ist es ihr Stück, das hier gespielt wird: «Das Rote Frauenbataillon» sollte, wie alles in Maos Ära, die Vergangenheit den kommunistischen Grundsätzen dienstbar machen, was mit einem Leichenberg aus 50 Millionen Toten endete.
Im Libretto von John Adams’ «Nixon in China» findet sich die Szene nicht, schon weil der Komponist in seiner Oper über den ersten Besuch eines US-Präsidenten im kommunistischen China nicht an Wertungen interessiert ist, sondern die Ereignisse unkommentiert ausstellt.
Der japanische Regisseur Tomo Sugao entfernt sich am Mainfrankentheater Würzburg weit von der realistischen Deutungstradition, die noch immer von Peter Sellars’ Uraufführungsbildern geprägt ist, um das Stück auf brillant gedachte, ästhetisch sensible Weise umso entschiedener einzulösen. Nicht von den Inhalten, von der Form her nähert sich sein Team dem Stoff. Das Bühnenbild von Julia Katharina Berndt übersetzt das ewige Kreisen der Musik in ein beständiges Rotieren der Drehbühne, die zwischen Segmenten einer knallroten Chinesischen Mauer verschiedene Variationen geschichtlich ...
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Hans Gefors, einer der führenden schwedischen Komponisten, hat bereits eine Vielzahl an Auftragswerken für namhafte Opernhäuser seines Landes vorzuweisen. Die Oper «Parken» («Der Park» ), sie basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Botho Strauß, schrieb er allerdings für die Internationalen Mai-Festspiele in Wiesbaden, wo das Werk 1992 auch aus der Taufe...
Oft gleicht die Musikgeschichte einem Sommer in südlichen Ländern: Es blendet die Sonne, die Schatten sind tief. Deutlich sieht man jene, die im Licht steh’n. Die im Schatten erkennt man erst, wenn das Auge sich ans Dunkel gewöhnt. Dies gilt wohl – seinem Namen völlig widersprechend – auch für den Komponisten Hans Sommer (1837-1922), der bereits am Ende seines...
Eva-Maria Höckmayr scheint eine Vorliebe für Bühnentote zu haben. Wie schon in ihrer Berliner «Poppea» liegt die Leiche im Halbfeld links; irgendjemand hat ihre Umrisse auf den Boden gemalt. Doch wie es das Wunder will und ebenso die Musik, erhebt sich, kaum ist aus dem Off der unheilvolle Schuss gefallen, der arme Riccardo, während im Graben sein und Amelias...
