Diskurstheater

Ruzicka: Benjamin
Hamburg | Staatsoper

Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung tief in den Pyrenäen. Die Sonne geht unter. Die Dunkelheit legt sich langsam über die Wälder.

» Warum selbst neu erfinden, was die Meister vor ihm letztgültig imaginativ ersonnen haben?

Nach seiner Intendantenära an der Hamburgischen Staatsoper, während der er sich die eigene künstlerische Präsenz konsequent klug versagte, ist Ruzicka nun als dirigierender Komponist an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Und er verbeugt sich dabei vor den Vätern – deutlicher, avantgardeabstinenter denn je zuvor. Wir vernehmen Anklänge aus «Salome» von Richard Strauss, Orffs «Carmina Burana», «Turandot» von Puccini sowie, ganz unverschleiert und in der Partitur explizit gekennzeichnet, Henri Duparcs Lied «l’invitation au voyage». Angst vor dem Gespenst des Eklektizismus hat Ruzicka ebensowenig wie Skrupel, als Intellektueller ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der König ist nackt

«I am the king», sagt der König. Und noch einmal. Und während er das sagt, lässt er vor dem gesamten Hofstaat schwungvoll seine Hosen auf die Knöchel gleiten – Staatsaffären zur Morgentoilette. Das Publikum kichert. Aber den melancholisch verweilenden Sekundreibungen ist anzuhören: Mit einem König, der sich seines Königseins derart nachdrücklich versichern muss,...

Schuldenwolken über dem Maggio Musicale

Italiens 1933 gegründetes Vorzeigefestival kann stolz sein auf seine state of the art-Spielstätte, das Teatro di Maggio. Doch der Preis war hoch für den Multiplex, der einen Hauptsaal (1800 Plätze), eine Konzerthalle (1100) sowie eine Freiluft-Cavea  (2000) umfasst. In den sechs Baujahren bis 2014 schossen die Kosten von 80 auf 270 Millionen Euro hoch, wuchs das...

Beziehungsreich

Einen ausgewiesenen Bezug zur Opernbühne haben die drei Werke in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht. Auch lassen sie sich kaum ohne Weiteres thematisch aufeinander beziehen. Dennoch fügen sich Arnold Schönbergs «Pierrot lunaire», Kurt Weills «Mahagonny-Songspiel» und seine «Sieben Todsünden» in dieser außergewöhnlichen Inszenierung zu einem schlüssigen Tableau....