Diskurstheater
Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung tief in den Pyrenäen. Die Sonne geht unter. Die Dunkelheit legt sich langsam über die Wälder.
» Warum selbst neu erfinden, was die Meister vor ihm letztgültig imaginativ ersonnen haben?
Nach seiner Intendantenära an der Hamburgischen Staatsoper, während der er sich die eigene künstlerische Präsenz konsequent klug versagte, ist Ruzicka nun als dirigierender Komponist an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Und er verbeugt sich dabei vor den Vätern – deutlicher, avantgardeabstinenter denn je zuvor. Wir vernehmen Anklänge aus «Salome» von Richard Strauss, Orffs «Carmina Burana», «Turandot» von Puccini sowie, ganz unverschleiert und in der Partitur explizit gekennzeichnet, Henri Duparcs Lied «l’invitation au voyage». Angst vor dem Gespenst des Eklektizismus hat Ruzicka ebensowenig wie Skrupel, als Intellektueller ein ...
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Obwohl Ingo Metzmacher auch in seinem dritten Jahr als Leiter der Kunstfestspiele Herrenhausen nach downtown lud, eroberte sich der schmucke Stadtteil mit seinen legendären Gärten und stilvollen Spielstätten in diesem Jahr seinen Rang zurück. Das lag freilich nicht unbedingt an den Gastproduktionen (da gab es in den letzten Jahren schon Gewichtigeres), sondern...
Hätten sie es vergeigt, das Stück wäre nicht mehr zu retten gewesen. Aber GMD Hermann Bäumer, der mit einem überlauten Wirkungstreffer anfangs Luzifer höchstselbst (Peter Felix Bauer) auf die Bretter schickte, bekam die Klangbalance schnell in den Griff, bevor Vida Miknevičiūtė erschien, die sich dann das Orchester schlicht und ergreifend unterwarf. Einem Fixstern...
Vor 100 Jahren wurde Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» in Budapest uraufgeführt. Seither ist das düstere Stück auf einen symbolistischen Stoff von Maurice Maeterlinck zu einem der seltenen Klassiker der Moderne avanciert. Die Ungarische Staatsoper in Budapest hat das Werk nun am Jubiläumstag in einer Neuinszenierung des dänischen Regisseurs Kasper...
