Mit der Brechtstange
Irgendwann während dieser Aufführung scheint es, als ob nicht Waffen und Wut gegen widrige Verhältnisse helfen, sondern allein Dezibel. Gegen die Bastionen der Mächtigen anschreien, das ist auch eines der Prinzipien, die Gottfried von Einem bei der Vertonung von «Dantons Tod» beherzigte. Es ist also sehr laut im Gärtnerplatztheater.
Das hat nicht nur zu tun mit dem grellen Sound, den Dirigent Anthony Bramall im Graben entfesselt, oder mit dem später zusätzlich vom Rang powernden Chor, mit den wackeren Solisten, sondern auch mit Sona MacDonald in der staatstheaternden Sprechrolle als Julie: Der Dramentext Georg Büchners reichte Regisseur Günter Krämer nicht, es mussten andere Texte des frühvollendeten Autors mit hinein.
Während Gärtnerplatz-Chef Josef E. Köpplinger an der Wiener Staatsoper gerade Historisches nachpuzzelte und über eine Variante von «Les Misérables» kaum hinauskam (siehe OW 5/2018), setzt Kollege Krämer auf Abstraktion und Reduktion. Der Regisseur erliegt dem Brecht-Reiz des Stücks und vertraut auf ein kühles Agitprop-Theater, das über die üblichen Modernismen (Dantons Handy) nur ein bisschen ins Stolpern gerät. Vor Beginn werden rote Pamphlet-Zettel an die ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
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