Chamäleon

Anno Schreier zählt zu den meistgefragten Bühnenkomponisten; das Theater und die Opera Factory Freiburg stellten zwei neue Arbeiten vor

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Wenn der Vorhang aufgeht, dann muss es krachen», sagt Anno Schreier in einem Radiointerview. Der Karlsruher Komponist (Jahrgang 1979) setzt nicht auf experimentelle Spieltechniken, elektronische Verfremdungen oder Geräusche, er arbeitet mit einer eher traditionellen Tonsprache, in der auch Dur-Akkorde und weit gespannte Kantilenen vorkommen dürfen. Ähnlich wie seine Lehrer Manfred Trojahn und Hans-Jürgen von Bose zählt er nicht zur Avantgarde, bezieht sich in seiner Musik vielmehr immer auf die Tradition – auch ironisch gebrochen wie in seiner frühen Oper «Kein Ort.

Nirgends» (2006), in der die Protagonisten mit diversen Stilen charakterisiert werden: von Koloraturartistik à la Rossini bis zu kühlen Zwölftonreihen. Mittlerweile zählt Schreier zu den vielgefragten Opernkomponisten. «Die Stadt der Blinden» (2011, Opernhaus Zürich) und «Hamlet» (2016, Theater an der Wien) unterstrichen seine musiktheatralische Begabung. Ende Februar nächsten Jahres wird seine neue abendfüllende Oper «Schade, dass sie eine Hure war» an der Rheinoper in Düsseldorf uraufgeführt.

Schreiers einstündige Liederfolge «Wunderland» (2013) dagegen ist Musiktheater en miniature. Nur zwei Sängerinnen, ein ...

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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Georg Rudiger

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