Chamäleon
Wenn der Vorhang aufgeht, dann muss es krachen», sagt Anno Schreier in einem Radiointerview. Der Karlsruher Komponist (Jahrgang 1979) setzt nicht auf experimentelle Spieltechniken, elektronische Verfremdungen oder Geräusche, er arbeitet mit einer eher traditionellen Tonsprache, in der auch Dur-Akkorde und weit gespannte Kantilenen vorkommen dürfen. Ähnlich wie seine Lehrer Manfred Trojahn und Hans-Jürgen von Bose zählt er nicht zur Avantgarde, bezieht sich in seiner Musik vielmehr immer auf die Tradition – auch ironisch gebrochen wie in seiner frühen Oper «Kein Ort.
Nirgends» (2006), in der die Protagonisten mit diversen Stilen charakterisiert werden: von Koloraturartistik à la Rossini bis zu kühlen Zwölftonreihen. Mittlerweile zählt Schreier zu den vielgefragten Opernkomponisten. «Die Stadt der Blinden» (2011, Opernhaus Zürich) und «Hamlet» (2016, Theater an der Wien) unterstrichen seine musiktheatralische Begabung. Ende Februar nächsten Jahres wird seine neue abendfüllende Oper «Schade, dass sie eine Hure war» an der Rheinoper in Düsseldorf uraufgeführt.
Schreiers einstündige Liederfolge «Wunderland» (2013) dagegen ist Musiktheater en miniature. Nur zwei Sängerinnen, ein ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Georg Rudiger
Der Schöpfer selbst nannte sein Werk eine «Oper ohne Komponisten». Tatsächlich war es eine Reihe von (ahnungslosen) Tonsetzern, bei denen sich Lorenzo Da Ponte für sein Pasticcio «L’ape musicale» («Die musikalische Biene») bediente. Die Sache erwies sich als so ertragreich, dass er das Potpourri gleich viermal auf die Bühne brachte: in Wien (1789 und 1791), in...
Im frisch renovierten Nationalmuseum von Stockholm kann man der Konstruktion nationaler Identität nachgehen: Wie Wikingerfolklore Keramik für die Pariser Weltausstellung 1889 inspirierte, einfach weil sich das Ausland etwas mit Wiedererkennungswert wünschte. Oder wie Anders Zorn seinen «Mittsommertanz» von 1897, jenen Inbegriff schwedischer Volksnatur, aufwendig...
«Spieglein, Spieglein an der Wand, / wer ist die Schönste im ganzen Land?» Gute Frage. Leider selten richtig beantwortet. Wer etwa unter einer «körperdysmorphen Störung» leidet, muss höllisch aufpassen, sein Selbst nicht zu verlieren, versteht man doch darunter die Sucht, sich selbst ständig stundenlang anschauen zu müssen – allerdings nur, um das Manko zu sehen,...
