Mit den Ohren sehen
Aus tiefster Not schreit diese Stimme. Zweifelnd, zornig, zagend. Halt findet sie an einem einzigen Ton. Allein, am Boden. In schutzlosem Trotz ruft sie den Himmel um Hilfe an, doch Gott schweigt und seine Heerscharen bleiben stumm. Keine Posaunen, kein Laut von oben. Nur diese eine Stimme ist zu hören und dieser eine Ton. Dann zischeln Flöten, atmen schwer. Eine Cellosaite wird scharf angerissen, bebt wie die unerhörten Klagen der verstoßenen Kreatur. Noch stockt der Dialog zwischen Instrument und singendem Ich, aber bald entsteht ein Zwiegespräch von beklemmender Intensität.
Als das Dunkel undurchdringlich, endgültig scheint, leuchtet eine Trompete in die Worte des hadernden Tenors, stützt dessen fassungslose Rede mit zartem Hauch, später, ungedämpft, mit kraftvollen Fanfaren. Dazwischen immer wieder Stille, lange Pausen – und die Atemgeräusche der Flöten. Schließlich antwortet der Allmächtige doch, schickt einen Sopran-Engel, der von der Schöpfung erzählt und ihrem Ziel, dem Ende der Nacht. Da hört man zum ersten Mal alle Stimmen, die Thomas Daniel Schlee für seine 2007 uraufgeführte Kirchenoper «Ich, Hiob» gesetzt hat – Hiob, den Engel und die fünf Musiker. Von fern klingt ...
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Zu einem Gipfeltreffen der Bassisten kam es beim diesjährigen Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn-Dürrn, zu der sich wieder zahlreiche Sängerpersönlichkeiten eingefunden hatten. Auf unserem Foto stellen sich zum Gruppenbild (ohne Dame) die Kammersänger Ekkehard Wlaschiha, Hans Sotin, Kurt Moll, Günter Wewel, Cornelius Hauptmann, Franz Crass...
Zum letzten Mal getroffen habe ich Joachim Herz am 2. Oktober dieses Jahres: Anlässlich eines Symposions über Kurt Weill in Dresden hielt er einen Vortrag über seine interpretatorischen Prinzipien und szenischen Lösungsstrategien, speziell im Hinblick auf Brecht-Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny». Die Inszenierung 1977 war sicher eine seiner besten...
Sein großes Verdienst ist, dass er Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in
St. Petersburg hoffähig gemacht hat. Mit «Lohengrin», «Holländer», dem ganzen «Ring» und mit «Parsifal»: Valery Gergiev, der Unermüdliche, hat nach russischem Repertoire (klar!) und Ausflügen ins italienische Fach (etwa mit der in Petersburg uraufgeführten Originalfassung von Verdis...
