Mit den Ohren sehen
Aus tiefster Not schreit diese Stimme. Zweifelnd, zornig, zagend. Halt findet sie an einem einzigen Ton. Allein, am Boden. In schutzlosem Trotz ruft sie den Himmel um Hilfe an, doch Gott schweigt und seine Heerscharen bleiben stumm. Keine Posaunen, kein Laut von oben. Nur diese eine Stimme ist zu hören und dieser eine Ton. Dann zischeln Flöten, atmen schwer. Eine Cellosaite wird scharf angerissen, bebt wie die unerhörten Klagen der verstoßenen Kreatur. Noch stockt der Dialog zwischen Instrument und singendem Ich, aber bald entsteht ein Zwiegespräch von beklemmender Intensität.
Als das Dunkel undurchdringlich, endgültig scheint, leuchtet eine Trompete in die Worte des hadernden Tenors, stützt dessen fassungslose Rede mit zartem Hauch, später, ungedämpft, mit kraftvollen Fanfaren. Dazwischen immer wieder Stille, lange Pausen – und die Atemgeräusche der Flöten. Schließlich antwortet der Allmächtige doch, schickt einen Sopran-Engel, der von der Schöpfung erzählt und ihrem Ziel, dem Ende der Nacht. Da hört man zum ersten Mal alle Stimmen, die Thomas Daniel Schlee für seine 2007 uraufgeführte Kirchenoper «Ich, Hiob» gesetzt hat – Hiob, den Engel und die fünf Musiker. Von fern klingt ...
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Wo Türen und Fenster undicht sind, zieht es, und Hoffmann ist mitten darin. Zappelnd Starres dient dem, Traum wird frei, ruft jedem nach.» So hatte 1930, halb philosophisch raunend, halb expressionistisch stammelnd, Ernst Bloch seine Kritik von Otto Klemperers berühmter Produktion an der Berliner Kroll-Oper begonnen. Offenbachs fantastische Oper ist Urgestein des...
Bei der Uraufführung klang es nach Vorwurf. «Katja Kabanova» sei eine «realistische» Oper, hieß es damals. Sie sei darin gnadenlos und letztlich kunstfremd. Später wurde daraus ein Lob: Janácek, der genaue Beobachter, untrüglich der Wahrheit auf der Spur. Noch später war die Sache mit dem Realismus ein Klischee, das sich durch die Aufführungen zog und nur selten...
Ein wenig erinnert er an Peer Gynt. Wie der Titelheld aus Ibsens Drama, so ist auch Stefan Solyom viel herumgekommen in der Welt. Doch die Motivation hinter der Reiserei könnte unterschiedlicher nicht sein. Gynt, der Unglücksrabe, sucht (vergeblich) das Leben und die Liebe. Solyom, das Glückskind, hat beides schon gefunden. Und dazu seinen ersten festen Job. Seit...
