Mit den Augen der Musik

«Otello» in Vilnius: Eimuntas Nekrosius lässt Verdi Regie führe

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Wenn Eimuntas Nekrosius in Vilnius zur Opernpremiere lädt, ist das für Litauen ein nationales Ereignis. Ursprünglich war sein «Otello» zum 90-jährigen Jubiläum der ersten stehenden Opern-Kompagnie des Landes geplant. Das Debakel seiner «Faust»-Inszenierung an der Mailänder Scala, wofür nicht zuletzt der Streik des Opernchores verantwortlich gemacht wird, stürzte den 58-jäh­rigen Regie-Schamanen jedoch in eine Krise.

Intendant Gintautas Kevisas sah es als Ehrensache an, den bereits engagierten italienischen Dirigenten auszuzahlen und die Premiere unter finanziellen Opfern um vier Monate zu verschieben. Dabei hat das Haus seit 2009 eine 25-prozentige Subventionskürzung zu verkraften. «Ich wollte die bestmögliche Produktion unter den bestmöglichen Bedingungen», rechtfertigt sich der diplomierte Konzertpianist. Den verschlossenen Starregisseur konnte er zu seiner zweiten Opern-Inszenierung nach der «Walküre» 2007 in seiner Heimat ohnehin nur überreden, weil beide seit dem gemeinsamen Wehrdienst in der Roten Armee Freunde sind. Die 1200 Premierengäste erhoben sich denn auch in dem Moment von den Plätzen, als Nekrosius zum Applaus erschien. Der so Gefeierte hielt die Ovationen allerdings ...

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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Boris Kehrmann

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