Aufwiegler, musikbesessen
«Trau keinem über dreißig!», war die Devise der Achtundsechziger. Die aufbegehrenden Studenten wussten, welch reaktionäre Seilschaften hinter den Kulissen manch altehrwürdiger Institutionen immer noch ihr Unwesen trieben. Die Verfehlungen der Vergangenheit sollten aufgedeckt werden, ebenso deren Weiterwirken; es galt, die Fassaden der Macht zu brechen. Dass die Gegenwart immer noch von den Erneuerungen dieser Generation zehrt, wird nur zu gern verdrängt.
Generell aber scheint eine Kunst, die auch gesellschaftlich-politisch agieren will, derzeit kaum en vogue, ja für manch Jüngere nur noch ferne Historie – und der Adorno-Titel von 1954, «Das Altern der neuen Musik», fast Programm für das Ende der Auf- und Ausbrüche der Moderne.
Da wundert es kaum, dass eine ganze Phalanx großer Theaterleute nun um die siebzig ist: Claus Peymann, Peter Stein, Hansgünther Heyme, Hans Neuenfels, Patrice Chéreau, Johann Kresnik. Klaus Michael Grüber und Pina Bausch sind tot. Sie alle standen in vielfältiger Weise für eine Achtundsechziger-Ästhetik, keineswegs gleichbedeutend mit politischem Engagement, gar «Agitprop». Aber sie opponierten dem traditionell schönen Schein, suchten die Konfrontation. Vom ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Gerhard R. Koch
Man muss schon ein Kenner oder Liebhaber der Wiener Operette nach 1900 sein, um heute noch etwas mit dem Namen Leo Fall anfangen zu können. Selbst umfangreiche Musiklexika und Musikenzyklopädien schenken diesem Komponisten eher peripher Aufmerksamkeit, im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Franz Lehár oder Emmerich Kálmán. Ein historisches Paradoxon: Denn zu...
Jules Massenets lange – wie die Titelfigur – ein wenig vernachlässigte «Cendrillon» scheint sich zu einem heimlichen Hit der Saison zu entwickeln. Nach Aufführungen in Paris und Wien wird seinem Aschenbrödel ab Juli auch in London der gläserne Schuh angepasst. Und das dann in einer komisch effektvollen Inszenierung aus Santa Fe, die nächste Spielzeit nach Brüssel...
Die Straßburger Bühne ist leer. Darauf nur Cheryl Barker als Emilia Marty. In einer Rückblende führt die 337-jährige Primadonna jenes lebensverlängernde Elixier zum Mund, das ihr Vater um 1600 für Kaiser Rudolf II. braute und das an ihr auszuprobieren war. Damals hieß sie Elina Makropulos, und die Initialen E. M. begleiteten sie denn auch durch ihr – inzwischen...
