Mozart: Zaïde

Erlangen

Opernwelt - Logo

Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem äußerlich unvollendeten Singspiel, kann man all das herausholen: die großen Gefühle, die Sehnsucht nach Freiheit, den Todes-mut.

Überliefert sind fünfzehn Musik­nummern, die durch eine Dramaturgie schlüssig gemacht werden müssen. Hat Calixto Bieito in seiner Berliner «Serail»-Inszenierung Mozarts Orient brutal entzaubert, so setzt die Regisseurin und Autorin Jenny Erpenbeck bei ihrer «Zaïde» nicht nur auf Gewalt, sondern auch auf die Poesie. Erpenbecks «Vervollständigung» des Fragments ist somit ein würdiger Beitrag zum Mozart-Jahr – und dies nicht, weil sie die ursprüngliche Ge­schich­te, die der «Entführung» stark ähnelt, «aktualisiert», sondern weil diese Aktualisierung ans Herz rührt. Historischer Hintergrund dieser Neueinrichtung ist die Verbrüderung der Millionärstochter Patty Hearst mit ihren Entführern. Im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Frank Piontek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Neue Stücke, neue Maestri

Kaum war im Herbst 2004 bekannt gegeben worden, dass Sony Classical Chef Peter Gelb die New Yorker Metropolitan Opera übernimmt, arbeitete die Gerüchteküche auf Hochtouren: Der neue General Manager werde das Heiligtum entweihen (riefen selbsternannte Tempelhüter), das Hohe Haus gar mit Musicals kommerzialisieren, um schnelle Dollars zu machen. Den Ausverkauf der...

Tamino in der Karaoke-Bar

«Thank you for the music!» – der legendäre Song der schwedischen Popgruppe ABBA könnte als Motto über dem ersten Gastspiel der Stuttgarter Staatsoper in Japan stehen, gleichsam als Resümee einer Ära, die mit dieser Spielzeit zu Ende geht. Und wer die Inbrunst erlebte, mit der der junge Schwede Johan Weigel diesen Song zusammen mit einem knappen Dutzend Kollegen...

Lortzing: Undine

Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Auffüh­run­gen an deutschen Theatern kommt....