Mezzomanie
Elina Garanca – so hat sie es jüngst in dieser Zeitschrift erklärt – möchte keine Diva sein. Als eine solche aber wird sie, in Kleidern von Escada und Schmuck von Cartier, von ihrem Platten-Label im Booklet ihrer neuesten CD präsentiert. Dem Beispiel von La Bartoli folgend konzentriert sie sich im klug komponierten Programm auf Belcanto-Opern von Rossini («Tancredi», «Maometto II»), Bellini («Adelson e Salvini», «I Capuleti e i Montecchi») und Donizetti («Lucrezia Borgia», «L’assedio di Calais», «Roberto Devereux», «Dom Sébastien», «Maria Stuarda»).
Was wir hören, ist eine Fülle großer, meist vergessener, stets aber, wie etwa im Falle von Donizettis bedeutendem Spätwerk «Dom Sébastien», zu Unrecht unbekannter Musik. Garanca demonstriert ihre glänzende Kunst nicht nur in Arien, sondern auch in kompletten Ensembleszenen. Mit ihrer leicht ansprechenden, tragfähigen Stimme bewegt sie sich elegant durch den Koloratur-Parcours des Trinklieds aus «Lucrezia Borgia», verleiht der machtbewussten englischen Königin Elisabetta aus «Maria Stuarda» härtere Konturen, schwärmt im empfindsamen Romanzenton aus Bellinis Erstling «Adelson e Salvini» und verziert die zweite Strophe der Cabaletta des ...
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Ein Knall, ein Fall. Als man den Einschlag einer Bombe hört, rauscht der vor dem Orchestergraben hochgezogene Vorhang zu Boden und enthüllt den Besuchern im Parkett, was die in den oberen Rängen, für die das Tuch nicht die ganze Bühne verhüllte, schon wussten: dass das Orchester bei diesem «Nabucco» sich oben befindet, auf einer Tribüne über einer länglichen Box....
Peter Eötvös‘ pausenlose, knapp zweistündige, im Sommer letzten Jahres in Glyndebourne uraufgeführte Oper «Love and other Demons» (siehe OW 9-10/2008) reduziert Gabriel García Márquez‘ 1994 veröffentlichten Roman «Von der Liebe und anderen Dämonen» auf sein Gerüst: Sierva wird an ihrem zwölften Geburtstag von einem tollwütigen Hund gebissen. Obwohl es keine...
Schon nach den ersten Takten ist klar, wer im neuen Hallenser «Don Carlo» den Ton angibt: So tonschön und ausdrucksstark ist der Klang, den der neue Chefdirigent Karl-Heinz Steffens mit seiner Staatskapelle formt, dass man ihm später kleinere Probleme wie das gelegentliche Übertönen der Sänger oder Koordinationsschwächen in den großen Chorszenen gern verzeiht. Das...
