Grand Opéra als Kammerspiel
Der amerikanische Orientalist Edward W. Said hat in seinem Buch «Kultur und Imperialismus» Verdis «Aida» unterstellt, dass sie «nicht so sehr ein Werk über als vielmehr der imperialen Herrschaft» sei. Genau das Gegenteil trifft zu. Dass Verdis populärste Oper sich auf kritische Weise mit dem impliziten Imperialismus des Sujets auseinandersetzt, ist spätestens seit Hans Neuenfels’ bahnbrechender Frankfurter Inszenierung offensichtlich.
Jens-Daniel Herzog wählt in seiner überaus konsequenten, stringent durchdachten Nürnberger Inszenierung einen anderen Weg, gelangt aber zum selben Ziel. Er holt das Stück in die Gegenwart und verschärft auf diese Weise den Gegensatz zwischen den etablierten Machtinstitutionen (Militär und Kirche) und dem Lebenstraum von Aida und Radames, deren persönliches Glück unbarmherzig von der Staatsräson zermalmt wird. Mathis Neidhart hat eine nah an die Rampe vorgezogene Halle gebaut, die bewusst jede Tiefendimension verweigert und mit wenigen Requisiten immer neue Räume andeutet: Im ersten Bild, dem Hauptquartier der Ägypter, ist es ein großer Tisch, auf dem der Kolonialkrieg gegen Äthiopien geplant wird; im vierten Bild, der Triumphszene – bei Herzog eine ...
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Elina Garanca – so hat sie es jüngst in dieser Zeitschrift erklärt – möchte keine Diva sein. Als eine solche aber wird sie, in Kleidern von Escada und Schmuck von Cartier, von ihrem Platten-Label im Booklet ihrer neuesten CD präsentiert. Dem Beispiel von La Bartoli folgend konzentriert sie sich im klug komponierten Programm auf Belcanto-Opern von Rossini...
Es war der Auftrag seines Lebens. In Frankreich wollte Louis XIV. heiraten – aus politischen Gründen. Und er, Francesco Cavalli, Komponist und Impresario aus Venedig, sollte die Musik für das Hochzeitsfest schreiben. Die Strippen zog Kardinal Jules Mazarin, jener von Italien nach Paris ausgewanderte Diplomat und Gottesmann, der damals, Mitte des 17. Jahrhunderts,...
